Alles, was ich über Wein weiß, weiß ich von meinem Vater. Ich weiß also, was DOC auf den italienischen Flaschen bedeutet und warum DOCG noch besser ist. Ich weiß, was der Unterschied zwischen Trockenbeerenauslese und Eiswein ist. Und vor allem weiß ich, dass die Trauben, die mein Papa anbaut, die besten sind. Sie sind klein und rund, haben eine feste Schale und große Kerne drin, aber das Fleisch, das ist so wunderbar süß und aromatisch, dass man es durch die harte Schale durchriecht, wenn die Trauben körbeweise im Hausflur stehen. Seit diesen Trauben weiß ich auch, dass die Trauben im Aldi und im Hit-Markt nur billiger Abklatsch sind. Die sind eher so Liebfrauenmilch, die Papatrauben sind dagegen eher so Müller-Thurgau Auslese.
Das allerbeste an diesen Trauben jedoch ist: Sie sind ein Indikator für komische Leute. Bislang habe ich zwei Menschen getroffen, die die Trauben gekostet haben und sie eklig fanden: Die sind ja schon vergoren!, haben diese Unwissenden gesagt. Vergoren! Pah. Das sind Muskat-Trauben, hab ich dann gesagt. Und die so: Nein, die schmecken nicht. Das hat mich jedesmal sehr hart getroffen, weil es fast an Majestätsbeleidigung grenzt. Da kriegt die dicke Schale der Familienstolztrauben einen kleinen Sprung. Aber, das habe ich nun gemerkt, das macht nichts. Komische Menschen sind das, die das sagten. Das wusste ich schon immer und die Trauben haben es bewiesen. Vergesst “Die Geschmäcker sind verschieden”. “Im Wein liegt die Wahrheit”. So sieht es aus. Tsss.

 

Eine traumhafte Allegorie am Ende eines wahrlich traumhaften Tages. Der Freund und ich sind seit heute für ein verlängertes Wochenende in elterlichen Gefilden und es fühlt sich jetzt schon an wie Urlaub. Ich mag Thüringen unheimlich gern, das wird mir immer mehr bewusst, je mehr mir Leipzig ans Herz wächst. Hä, wie geht denn das? Als Kontrastprogramm. Klar kann man hier nicht auf Dauer wohnen (ich nicht), denn es fehlen einfach so Sachen wie ein großer Rundfunksender (jaaaa, ihr Experten, das Landesfunkhaus zählt jetzt nicht), eine Karli, die Möglichkeit, abends aus mindestens zehn Veranstaltungen zu wählen, der Cossi, die eigene Wohnung, die Freunde und die Dinge, die mir kurz entfallen sind, wenn es um Stadtleben geht.

Aber man kann ja auch nicht nur die ganze Zeit Arte gucken. Deshalb hat Thüringen so ab und zu echt seine Vorteile, wenn es um Wiesen, Würste und – ja – auch Wein geht. Ich habe heute erstmals thüringischen Wein getrunken (am Vormittag in der Sonne auf einem Weingut an der Saale hellen Strande - das ist genauso idyllisch und kitschig und betrunkenmachend wie ihr euch es jetzt gerade vorstellt) und wieder einen Grund gefunden, das alles hier superst zu finden. Beweisfotos folgen. Ich trage mich ernsthaft mit dem Gedanken, für immerimmerimmer hauptwohnsitzende Thüringerin zu bleiben.

Bitte entschuldigt die heimatliche Liebeserklärung und schiebt es auf die Auswirkungen einer Schweinegrippenwoche. Als Ausgleich habe ich für euch noch ein tolles Rätsel. Seit gestern weiß ich dank dem Freund, wie Old Shatterhand mit Vornamen hieß und wer das von euch rauskriegt, bekommt auch wieder ein virtuelles Eis (das alte ist ja noch übrig, weil keiner auf die Simmi-Sache reagierte, aber keine Angst, das ist noch gut). Ach ja: “Old” is falsch, das kann ich euch schon mal sagen…

So, na dann, ab nach Thüringen und ausruhen, ihr geplagten Gemüter!

Die Lokalpatriotin.

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