Kalt ist es wieder, Freunde! Selbst ohne Sensoren an der Haut würde ich das merken, wenn ich auf den Balkon gucke: Im Vogelhäuschen ist reges Begängnis. Die Meisen jagen sich gegenseitig weg und die fette Amsel hat kein Problem damit, sich für ihren Frühstückssnack eine halbe Stunde bei Hansens einzuquartieren. Alle zwei Tage lege ich Futter nach – die zittrigen Vögelchen können es gebrauchen, scheinbar.
Und weil ich so eine gute Vogelmutti bin, bin ich in diesem Jahr zum ersten Mal in den Genuss der Vogelhochzeit gekommen. Keine Paarungsrituale, werte Jugendschützer, sondern Zuckerbomben vom Feinsten. Die Vogelhochzeit ist ein alter Brauch aus der Lausitz und die liebsten Lausitzer Hasen Anja und Sven haben ihn mir mit nach Leipzig gebracht, um sich stellvertretend für die Vöglein bei mir für die Winterfütterung zu bedanken. In der Lausitz stellen die Kinder vor dem 25. Januar einen Teller raus. Am nächsten Tag ist der gefüllt mit geilstem Süßkram:
Wie das Zeug da drauf kommt, erschließt sich ja wohl von selbst: Die Vögel bringen das vorbei. Dabei gilt es trefflich zu unterscheiden.
1) Kremnest, das
Symbolisiert ein Nest, wie unschwer zu erkennen ist und steht für das Zuhause, das die lieben Vöglein aufgrund der reichlichen Winterfütterung bauen können. Butter, Zucker und Schokolade werden in großen Mengen zu einem unvergleichleichen Kaloriengemenge arrangiert, das selbst gesunde Menschen nach einer Insulinspritze schreien lässt und mit Zuckereiern zum konditorischen Kunstwerk veredelt wird.
2) Schmätzel, die
Hier handelt es sich um Baiserstatuen. An dieser Stelle ein kurzer Exkurs in das Lehrwerk Découvertes und die Episode, in der der deutsche Austauschschüler in der Boulangerie nach einem Baiser fragt und errötete Blicke erntet, weil Baiser auf französisch Kuss bedeutet und das Zuckerprodukt meringue heißt. Hach, war das lustig. Zurück in die Lausitz, wo die meringues, also die Baisers Schmätzel heißen: Zucker, Eier und ein wenig Farbstoff werden hier geformt zu einem stilisierten Nest (links) und einem Robbenbaby Vogel (rechts).
Die ganze Fülle des Lausitzer Konditoreiangebotes zu diesem Anlass kann wohl nur ein Kind aufessen, denn ihm ist der irgendwann einsetzende Zuckerschock noch nicht antrainiert. Ich habe die ganzen Köstlichkeiten nur unter Mithilfe von Freunden aufessen können. Schade aber eigentlich um die schönen Schmätzel:
Zur Ablenkung singen wir jetzt lieber alle mal mit, wenn Helge Schneider die Vogelhochzeit anstimmt:
Übrigens habe ich jetzt nicht nur die Vögel draußen zu füttern. Hier drinnen auf der Couch hat sich was Dickes eingenistet:
Sie heißt Eule und schläft viel.




