Liebe alle,
danke für eure Geduld und danke für eure Fragen, was denn mit dem Blog sei und warum ich nicht mehr schreibe. Nun, warum schrieb ich eigentlich nicht? Es mangelte an Zeit, an Muße, an Themen.
Ich wollte so gerne über ein einschneidendes Erlebnis bloggen. Im Oktober war ich in Bitterfeld und es war schlimmer als gedacht. Aber ich hatte an dem Tag keine Zeit und später verklärte ebenjene die Sicht auf die Dinge. Ich glaube aber, jetzt ist die Geschichte so gut durchgezogen, dass sie, mit all dem Seemannsgarn, der sich drüber gelegt hat, demnächst hier zu lesen sein wird.
In der Zwischenzeit haben wir hier ein bisschen gemalert. Ihr seht schon – eines ist noch nicht in dem Topf, wo es kochen soll und ich muss noch ein paar Fotos verschieben. Trotzdem geht’s jetzt hier endlich weiter – willkommen zurück.

 

Der Neo Rauch, das wisst ihr, liegt mir mit seinen Bildern am Herzen. Wie trefflich, dass er neulich in einem Interview über verticale geredet hat:

“Ich versuche ihnen (den Studenten) zu sagen, dass sie sich auf das Vertikale konzentrieren sollen und nicht an der Waagerechten – im Sinne von “Was könnte gerade relevant sein, wie muss ich mich positionieren, um von Kurator Pimpelhuber wahrgenommen zu werden.” Vertikal ist das Gegenteil von Ausrichten, es bedeutet Einrichten: Ich justiere mich, ich reichere Masse in mir und um mich herum an. Entscheidend ist, ob jemand aus seiner Eigentümlichkeit, die er von tief unten holt, etwas schafft, was die Welt so noch nicht gesehen hat. Er muss keine Revolution auf dem Gebiet der Kunst losbrechen. Es kann etwas ganz Unscheinbares sein, eine feine Verwerfung in der Sichtachse, ein haarfeiner Bruch. Es muss das Gefühl erzeugen: So habe ich einen Kornblumenstrauß noch nicht gesehen.”

(dpa-Interview mit Ingo Senft-Werner)

Wisst ihr bescheid, jetzt. Warum die von der dpa “verticale” allerdings so konsequent falsch schreiben ist mir nicht bekannt. Ich halte es aber für ein Himmelfahrtskommando.

 

Okay, es war auffällig: Ich bin immer erst spät nach Hause gekommen und hab gesagt, es ist Sommer und so, da hab ich keine Zeit zum Verticale-Bloggen. Das war wie in den meisten Fällen gelogen und der Sommer, der mir als Alibi galt, ist jung, blutjung, wissensdurstig und aufregend. Ich bin tatsächlich fremdgegangen, nicht mit einer Sekretärin oder dem Coca-Cola-Verkäufer, aber es gibt da einen neuen, an den ihr euch gewöhnen solltet. Der neue Blog gehört zu LVZ-Online. Seit geraumer Zeit gibt es da einige Blogs und jetzt ist eben auch einer von mir.

Wie ihr sehen werdet, ist das Konzept so ähnlich wie bei Verticale. Warum mach ich das dann, zweimal einen Blog? Weil ich gemerkt habe, dass Verticale längst nicht mehr das ist, was es sein sollte: nüchterne und in einem positiven Sinne unpersönliche Wissensvermittlung. Vielmehr ist das alles hier zu meinem Baby geworden, zum Fenster in meine eben doch persönlichen Gedankengespinste. Es ist mir ans Herz gewachsen – wenn Beiträge samt Kommentaren verschwinden, weil irgendwas nicht stimmt im bösen Internet, dann bin ich den Tränen nahe, und ich freue mich nach wie vor über jeden einzelnen Kommentar, der mir dann zeigt, dass ihr da seid.

Aber: Es sind ja nun doch größtenteils meine Freunde, die hier rumhängen. Das ist schön. Aber ich will mir beweisen, dass ich interessant schreiben kann und es viele Leute gut finden. Und ich will mich noch mehr zum Schreiben zwingen. Das eigene Kind kann man getrost mal zwei Wochen ohne neuen Eintrag spielen lassen, bei der großen LVZ-Online-Dame geht das wohl eher nicht. Trotzdem bleibt das Bloggen hier und dort for the fame and fortune und ich wünsche mir und euch weiterhin frohes Bloglesen – auf beiden Seiten gleichzeitig, bitte.

 

Die Hardcore-Fans unter euch erinnern sich sicher noch an den Eintrag über dieses Statistik-Programm, das mir zeigt, über welche Suchwörter Leute auf meine Seite kommen. Jetzt war ich heute noch mal auf der Statistik-Seite, um mich über mehr als 700 Besucher in diesem Monat zu freuen. Und da guck ich die Suchbegriffe durch und bin seitdem völlig verwirrt.

Was hat denn meine Seite zu bieten, dass sie bei der Google-Bildersuche nach “frau küsst mann ganzkörper zeichnung” oder “nackte frau trinkt vor kühlschrank” in die Trefferliste kommt? Ob der Magnetit-Stein aus dem Bergwerk von Google als naive Kunst gewertet wird? Oder ob meine Verticale-Schallplatte für die irgendwas anzügliches hat? Ich versteh die Welt nicht mehr und erhoffe mir von euch Erleuchtung.

Geht sich jetzt mal schön vor dem Kühlschrank ein Bier aufmachen (nackt, versteht sich),

Kristin

 

Während sich die Streetartgallery kuschlig in den Winterschlaf eingemummelt hat und wohl bis zur Schneeschmelze dort verharren wird, habe ich zwei Schmankerl, die eher so drinnen angesiedelt sind.

Das Erste: Soul Kitchen ist total witzig und sehenswert. Des Filmes wegen und der Streetarts wegen. Im Film ist immer mal ein funk25-Tag zu sehen (das sind die mit den Fliesen-Streetarts, könnt ihr euch in der Gallery ja mal anschauen), aber ich habe bislang noch keine Infos darüber im Internet gefunden. Wer was weiß, der möge kommentieren.

Das Zweite: Was soll man dazu sagen, es ist für immer mein allerliebstes Lieblingsweihnachtsgeschenk.

Verticaleschallplatte

 

Nicht, dass ihr mich falsch versteht und euch abgeschreckt fühlt: Ich schaue dieses Statistikprogramm nur an, um meiner eigenen liebevoll gepflegten Bloggerinneneitelkeit Zucker zu geben. Die Zahlen machen mich glücklich und nur manchmal scrolle ich dann weiter runter und lese, welchen Internetzugang ihr nutzt, wo ihr gerade surft, welches Computersystem ihr nutzt und so. Mit diesen Sachen kann ich nicht viel anfangen, ich bestaune es wie ein Fossil, denke mir dann aber auch: Das ist nur ein Pillepallehobbybloggerding, ich will nicht wissen, welche Daten Google schon von mir einsehen kann. Vermutlich alle und mehr.

Was jedenfalls ein lustiges Feature ist: Ich kann auch sehen, über welche Google-Suchworte Leute auf meine Seite kommen. Heute waren es die hier:

Search items

Lieber armer verticale-Besucher, der du überlegst, was du in Kunst mit einem Kulli zeichnen sollst: Bitte wende dich doch mit der Frage gern öffentlich an mich und die Leser hier. Wir können dir wirklich alle großartige Tipps geben, wirklich! Nur zu!

Sich an ihre eigenen Kunststunden und den Geruch von verwässerter Acrylfarbe erinnernd,

Frau Hansen

 

…nix – richtig. Aber das ist schon mal ein Fortschritt. Im fernen Italien überkam ich eine schwere Sorge um meinen Blog, weil er wie die Bäume jetzt draußen seine Einzelteile verlor.

Nach der Diagnose Wurmfraß und einem großmütigen Einsatz von Großadministrator Simeon ist jetzt fast alles wieder so, wie es einmal war: schön. Hier und da fehlt noch ein Bild und – huch – die streetartgallery muss komplett neu aufgeforstet werden, aber der Rechner rattert und bald ist alles wieder noch schöner.

Der Blog und ich haben hiermit unsere Urläube beendet und stehen wieder zur Verfügung. Danke für die Aufmerksamkeit.

Eine frohe Frau Hansen.

© 2011 verticale Suffusion theme by Sayontan Sinha