Wenn es denn welche gäbe, Freunde, wenn es denn welche gäbe. Ich bin eine große Balkongärtnerin. Leider ist der Balkon zu klein, um ein Kartoffelbeet anzulegen oder Wein über Hollywoodschaukeln ranken zu lassen. Aber es ist nicht so, dass ich nicht darüber nachgedacht hätte. Was ich tatsächlich umgesetzt habe: Selbst Pflanzen gezogen. Auch Nutzpflanzen. Was daraus wurde, möchte ich kurz stichwortartig festhalten:
- Schnittlauch: Kurz nachdem er mir seine zarten, jungen Härchen entgegenreckte und damit die schnellste Entwicklung der Kräuterbabies hinlegte, überkam ihn auf dem Balkon scheinbar der plötzliche Kindstod. Die braunen Kringel seiner kläglichen Existenz landeten im Biomüll.
- Basilikum: Auch selbstgezogen. Die ersten beiden, die ich vereinzelte, wie wir Gärnter zu sagen pflegen, bekamen eine ominöse Erkrankung und also gelbe Blätter. Auch sie fanden ihr Grab im Biomüll.
- Erdbeeren: Ich habe zum Geburtstag so ein Tchibo-Schnellstarterset bekommen. Terrakottatopf mit allerhand Pflanzausbuchtungen und Erdbeersamen. Ist auch alles schön so weit, aber wenn ich mir diese kleinen Blättchen anschaue und Blüten gänzlich vermisse, befürchte ich, dass die Erdbeerernte in diesem Jahr ausbleiben wird. Kannste einlagern im Keller übern Winter, sagen die, die es wissen müssen. Ich weiß ja nicht. Aber ein Jahr gebe ich ihnen noch.
- Radieschen: Mein ganzer Stolz. Zehn von zwölf Samen sind aufgegangen. Vier davon haben Knollen bekommen. Vier davon waren so holzig, dass sie – ihr ahnt es vielleicht – im Biomüll mit den anderen Balkonzombies Halloween feiern können. Trotzdem neu ausgepflanzt. Diesmal nur sechs Samen.
- Kapuzinerkresse: Und da sind wir schon beim letzten Sorgenkind: Treibt keine Blüten. Ist ja auch klar, wozu hat man auch sonst dieses Monstrum von Pflanze auf dem Balkon. Sieht ja auch unheimlich erquickend aus, wie sich diese runden Blätter zu tausenden um meine Tomatenpflanze (Ha! Lichtblick! Heute geerntet. Genießbar, aber Papas Harzfeuer früher waren irgendwie lecker und nicht nur tomatesk.) ranken und mal verwelken, mal über den Boden schleifen. Es gibt da Spielraum.
Großartig. Da kommt man dann doch dahinter, warum die Eltern plötzlich nur noch einen Ziergarten haben wollen. Dieses Ansinnen konnte ich anfangs nur missbilligen. Nach meinen Ernteerfolgen werden die Gründe dafür erahnbar. Aber man muss ja auch sagen: Die Johannisbeeren, die nach fünf Jahren endlich dann auch mal am Strauch hingen, waren doch auch lecker. Man muss scheinbar Geduld haben mit diesen Nutzpflanzen. Werde ich also aufbringen und weiter gießen. Gleich noch einen ordentlichen Schluck Bio-Kräuterdünger (8 Euro die Flasche) an die Petersilie hauen. Die ist mein bestes Pferd im Stall. Go for it, Petersilie. Und während des Wachstums der Sorgenkinder erfreue ich mich an den Blumen (nur nicht an den selbstgezogenen Mittagsblumen, die ich von meiner Freundin bekam, denn die, so will es die Selbstziehlogik in diesem Balkonjahr, treiben bislang keine Blüten).