Nachdem wir auf der Reise so viel über die Ursprünge dieses Landes gelernt haben, gipfelte sie an diesem langen amerikanischen Wochenende im Unabhängigkeitstag. Wir wollten sowieso Karo und ihre Familie in Hanover / New Hampshire besuchen und entschieden uns, eben dieses Wochenende hin zu fahren.
Die Reise ging also endlich mal ein Stück von der Küste weg landeinwärts und in den “Norden”: Eigentlich liegt Hanover auf der Höhe von Portugal, aber im Winter wird es knackig kalt und die Landschaft sieht schon sehr kanadisch aus: Viel Wald, wilde, unbegradigte Flüsse und Schilder, auf denen vor kreuzenden Elchen gewarnt wird. Diese Region wurde vor 250 Jahren erst wirklich besiedelt, weil hier alles so voll Wald war, dass es ein echter Kraftakt war. Hanover ist ein hübsches kleines Städchen, das hauptsächlich aus College besteht. Dartmouth gehört zu den acht Ivy-League-Elite-Colleges und ist im Nebenberuf Großgrundbesitzer: Die Hälfte des Bundesstaats New Hampshire gehört dem College.
Das schönste aber an Hanover war der Besuch bei Karo, Micha und den Kids. Durch sie haben wir viel über das Leben in Amerika gelernt und viele unserer Eindrücke wurden bestätigt: Dass die Amerikaner tatsächlich unheimlich höflich, nett und zuvorkommend sind und dass Ernährung ein heikles Thema ist zum Beispiel. Aber wir haben auch gelernt: Die amerikanischen Supermärkte haben, wenn man sie lange genug von findigen Deutschen durchkämmen lässt, tatsächlich einiges zu bieten. Fleisch zum Beispiel, das so gut und so günstig ist, wie man es in Deutschland nie bekommen würde. Die Meiners sind gerade auf einer Rindfleischdiät: Sie essen so viel davon wie sie können, damit sie es in Deutschland nicht so sehr vermissen. Einen großen Fetzen Fleisch, der bei uns locker 40 Euro kosten könnte, gibt es hier für sieben Dollar. In allerbester Qualität. Insbesondere Thomas ging das Herz auf, als all das erst auf dem Grill und dann auf unseren Tellern landete. Und: Es gab deutsches Bier! Ich bin also zuversichtlich, dass wir bis zu unserer Rückkehr ohne weitere Entzugserscheinungen überleben werden.
Am 4. Juli dann der große Tag. Im beschaulichen Hanover waren alle auf den Beinen – entweder in der Parade oder am Straßenrand, um die Parade zu sehen. Mein persönlicher Höhepunkt waren die tanzenden Fleischfachverkäufer des örtlichen Supermarkts, die im Takt von Shania Twain Einkaufswagen vor sich her schoben und die Hüften (die eigenen) schüttelten. Es gab polierte Oldtimer, verchromte Feuerwehrwagen, aufgeregte Kinder, erfreulich viel freiwilliges Engagement, kostenlose Eiscreme und eine nicht ungesund wirkende Portion Nationalstolz. Schön war das.



































