Ich lag auf dem Sofa und es lief Olympia. Fragt mich nach Degenfechten, ich würde sagen: Im August 2012 kannte ich die Regeln ganz genau. Das liegt daran, dass ich sehr lange auf dem Sofa lag und Olympia anschaute, wenn ich nicht gerade einen Zwieback aß, eine halbe Tasse Magen-Darm-Tee trank oder beides gesammelt ins Badezimmer trug. Was für ein Start in einen Monat, aber was für eine Gelegenheit, Olympia zu verfolgen und die Freundin zu beneiden, die dem ganzen Wahnsinn vor Ort arbeitend beiwohnte. Life with grace, Freunde.

So sommerlich fühlte sich der August im Kopf an, dass ich mich leichtsinnig breitschlagen ließ, dieser Campingsache eine fünfte Chance zu geben. Gut, die letzten vier Male war Zelten schon scheiße gewesen, aber trotzdem und aus großer Liebe zum Freund: noch einmal, Ostsee mit vollbepacktem Kleinwagen und geliehenem Zelt und Gaskartuschenkocher und sogar neuer Isomatte, die der Freund mir kaufte. Es waren heimelige 15 Grad auf diesem überfüllten Sachsen-Zeltplatz auf Usedom, der Wind war eiskalt, am Strand hielt man es mit drei Decken in der Strandmuschel dann doch erstaunlich lange aus und die Fertigsuppe wurde mit ungetoastetem Toastbrot fast zur Schmackadelle. In der ersten Nacht fror ich so, dass ich am nächsten Tag bei Kik noch eine Decke kaufte und in der zweiten Nacht hatte ich dann auch verstanden, dass das Brumm-Geräusch durch gezielte Seitenhiebe in des Freundes Schlafsack nicht wegging, weil es aus einem Schlafsack drei Zelte weiter stammte. Hat auch der Freund eingesehen, dass das nun doch nicht mehr meine große Liebe wird, das Zelten, und am zweiten Morgen gesagt: Ach komm, wir fahren heim. Yeah. Ein Hoch auf die heimische Badewanne, ein Hoch auf die Ikea-Matratze im Bett, ein Hoch auch auf den Cospudener See, an dessen Strand es ruhig und gemütlich und warm und sonnig war. Na ja, hätte auch klappen können mit dem Zelten.

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