Es war kalt im Februar, kalt am Rhein und kalt bei den Raketen. Das passte zur Stimmung ein bisschen. Am Rhein habe ich Tschüss gesagt zu dem Herz, das fortan als Reisesiolita von sich reden und lesen machen sollte. Unglaublich, jetzt ist sie fast ein Jahr weg und wir haben gelernt, dass es für unsere Fern-Beziehung kaum Unterschiede macht, ob sie in Düsseldorf, Peru oder Bali rumhängt. Danke, Internet. Danke, Herz. Ich bleibe hier als ausharrender Pol in Leipzig und warte auf dich. Und dann gab es im Februar eben noch die Raketen. Das war arbeitstechnisch mein Thema und ich war in Dresden bei einem Raketenfreak und an der Ostsee und überall war es kalt. Das traurigste an den Raketen war nicht nur, dass ich die Ostsee gar nicht richtig gesehen habe, als ich dort war, sondern auch, dass ich mein Versprechen, aus der Sendung eine Mädchensendung zu machen (Raketen als Modeschmuck, Raketen selber häkeln, Raketen tanzen), nicht halten konnte.

Sei’s drum, der Februar hat meinen Jahreslieblingsliedern ein Spitzenlied beschert, das auch ein bisschen unterkühlt ist und deshalb superst zum Monat passt und als Entschädigung Bilder vom Meer enthält:

 

…und wenn sie nicht geocachen oder arbeiten oder Sonne genießen oder Quatschmachen ist, dann bloggt sie auch wieder. Schwöre. Ich empfehle mich bis dahin und euch zur Abwechslung mal wieder eine LexiTV-Sendung. Morgen, also am Mittwoch, geht’s um Schauspieler und ich habe dafür mit René Marik gedreht und mit Ahmad Mesgarha. Wer schon beim ersten nicht weiß, wer das ist, dem könnte dieses Video auf die Sprünge helfen:

Und der zweite, der ist ein Theaterschauspieler am Staatsschauspiel Dresden, den ich mit dem Kamerateam einen Arbeitstag lang hinter den Kulissen begleitet habe. Das war schön. Und der Beitrag ist auch wirklich schön geworden. Schon jetzt, also als Preview, hier zu sehen. Die Aufführung, bei der wir dabei waren, heißt “Viel Lärm um nichts” und wird auch noch ein paar mal gezeigt. Sehr lustig, es lohnt sich. Übrigens habe ich dabei ein neues Lied kennengelernt, das der Soundtrack des Sommerherbstes zu werden scheint, es hängt jedenfalls schon ein paar Wochen im Ohr.

 

Gestern war ich unterwegs, drehen, in einer Ausstellung, und zwar der Frida-Kahlo-Ausstellung in Berlin. Der Ort ist für diese Geschichte aber ungefähr so relevant wie die Frage, ob man nun am Morgen, am Abend, gar nicht oder ständig die Fenster öffnen sollte, um die Hitze aus der Wohnung zu kriegen – es ist eh egal, weil die Hitze immer gleich ist und niiiiiie rausgeht, leider. Jedenfalls: Ich mache gerade das Interview mit der Kuratorin der Ausstellung, da pirscht sich so langsam von rechts hinten ein total ausgebufftes Kind an und stellt sich nach kurzer Überlegung, wo denn nun der wirklich richtige Punkt sei, um ganz genau in die Kamera gucken zu können, hin und winkt. Oh, welch innovatives und überraschendes Verhalten, denke ich mir, und sage dann: “Hier, mein Freund, kannst du vielleicht mal nach ganz da hinten gehen und dir einfach so ein Bild ganz genau angucken?”

Liebe ausgebuffte Kinder der gesamten Welt: Wenn ihr wirklich sicher gehen wollt, dass Kameraaufnahmen NICHT im Fernsehen gezeigt werden, dann nur weiter so. Ratet mal, warum man winkende ausgebuffte Kinder so gut wie nie im Fernsehen sieht (es sei denn, nachrichtenschwangere Angela Merkels oder Elton Johns sagen was superes im Vordergrund). Da habt ihr jetzt mal richtig gedacht: Weil es verdammt scheiße aussieht und weil man sich als geneigter Zuschauer dann immer fragt “Was ist das denn für ein bescheuertes ausgebufftes Kind, das da winkt?” und dann nicht mehr drauf achtet, was der Mensch, der da spricht, eigentlich superes zu sagen hat.

Diese Kinder können auch gern mal Erwachsene sein und müssen nicht unbedingt winken. Auch sehr schön sind so originelle Kommentare aus dem Hintergrund wie: “Bin ich jetzt im Fernsehen?”, “Guck mal, Jürgen, jetzt kommst du ins Fernsehen!”, “Jürgen, zieh mal den Bauch ein, jetzt wirst du gecastet für [wahlweise einsetzen] Germany’s Next Topmodel / Popstars / den Dieter Bohlen!” oder auch “Was gibt’s denn da jetzt als Gage, wenn ich hier im Film mitspiele?” Nein, verdammt, weder ihr selber noch der Jürgen kommt ins Fernsehen, zu einer Castingshow, in irgendeinen Film oder kriegt auch noch Geld dafür, dass ihr mit diesen kreativen und an Lustigkeit kaum noch zu überbietenden Einwürfen ein müdes Lächeln, weil man ja nett sein soll und Vorbild ist und so weiter, provoziert. Vielleicht könntet ihr euch stattdessen mal was neues ausdenken – vielleicht könntet ihr im Hintergrund Bilder malen oder, und das wäre nur begrüßenswert, dem Kamerateam keine Worte, sondern Schokolade, Bier oder ein Eis schenken.

Aber genug der Arroganz dieser Medienleute, es hat nach wie vor Gutes, sich auch mal mit all diesen Leuten auseinanderzusetzen: Es ergibt einen Blogeintrag und es gibt auch die Zeiten, in denen man für all das entschädigt wird – wenn man zum Beispiel das Privileg hat, die Frida Kahlo Ausstellung eine Stunde für sich ganz allein zu haben oder im Anschluss an den Dreh noch ziemlich entspannt und kostengünstig in die Olafur Eliasson Ausstellung kann. Letztere kann ich nur empfehlen – also, wenn ihr mal in Berlin seid…

Viele Grüße, vor allem an den Jürgen,

die Medienzicke Hansen.

 

Da ist mir doch gleich was eingefallen, was ich euch bislang vorenthielt. Ich habe mich jetzt ne ganze Weile mit Krabben umgeben. Ratet mal warum – richtig. Nette Leute sind das, die Krabben. Und weil ihr es seid, kommen jetzt fünf Dinge, die ihr wissen solltet über Krabben:

  1. Krabben haben zehn Füße, wenn sie echte Krabben sein wollen. Zwei davon sind Scheren geworden, wobei jede Schere eine spezielle Aufgabe hat. Entweder zermalmen oder zerreißen. Also Nahrung, versteht sich. Unechte Krabben gibt es auch, die haben nur acht sichtbare Füße.
  2. Krabben sind Krebstiere, aber Nordseekrabben sind keine Krabben, sondern Garnelen. Der Unterschied: Garnelen haben wie Hummer oder Langusten noch einen langen Schwanz und laufen so vor sich hin. Krabben sind viel weiter vorne, evolutionstechnisch gesehen, weil sie ihren Schwanz unter den Körper geklappt haben und damit das Gleichgewicht besser halten können. Dafür müssen sie seitwärts gehen, weil sie nicht anders können. Irgendwas ist ja immer.
  3. Krabben haben total abgefahrene Augen, Facettenaugen, wie Bienen oder Spinnen. Wie ich lernte ist das so, als wenn hundert (oder dreißigtausend, das hab ich vergessen) Fernsehgeräte nebeneinander ein Bild zusammenfügen würden. Irre.
  4. Auf der Weihnachtsinsel (wo liegt die denn? Hier.) gibt es rote Krabben, die einmal im Jahr die ganze Insel auf den Kopf stellen, indem sie einfach mal zu Millionen aus dem Wald ans Meer wandern, um sich dort zu paaren. Dann laufen sie zurück und ein paar Monate später kommen drölf Milliarden rote Babykrabben nach und färben die Insel komplett rot. Auch irre.
  5. Man kann Krabben als Haustiere halten. Die sind miniklein und meganiedlich, finden alle Mädchen, denen ich das bisher gezeigt habe. Es gibt sogar Überlegungen, eine Redaktionskrabbe anzuschaffen. Ich wäre dabei und erfreue mich derweil an Katrin, die neulich bei mir eingezogen ist:

Katrin

So, jetzt hab ich mir natürlich nicht die Finger blutig getippt, um mit einem Foto eines schnöden Kuscheltiers zu enden. Folgende zwei Handlungsanweisungen: Schließt die Krabben in euer Herz, denn sie sind die schönsten aller Gliederfüßer. Und: Schaut euch verdammt noch mal meine Sendung an – 24. März, LexiTV. Das wäre ziemlich nett von euch. Ich danke für die Aufmerksamkeit -

die Frau Hansen, die gerade Selbstversuche in Eigen-PR macht. Und Krabben wirklich gut findet, ganz ehrlich. Krabben sind großartig!

 

Ich war in der letzten Woche öfter in Dresden als in den letzten zwei Jahren zusammen. Grund dafür ist die Sendung, die ihr am Freitag mal bitte alle guckt, sofern ihr eine GEZ-Box habt oder ehrliches Interesse an meinem Treiben.

Was ich dort lernte hat mit den Dresdnern an sich und ihrer Meinung zu ihrer Stadt zu tun. Ein Kollege meinte, dass “der Dresdner” sehr rückwärtsgewandt sei. Ein Interviewpartner sagte, dass sich die Welt eigentlich um Dresden drehe und nicht um irgendwas anderes. Ein Freund regte sich auf: “Die Stadt wird sich an dieser verdammten Waldschlösschenbrücke totsubventionieren, aber für das Stadion haben sie keinen Cent übrig, obwohl das ja Touristen bringt.” Krasse Einschätzungen.

Ich selber habe die meiste Zeit in der angenehmen und gemütlichen Dresdner Neustadt verbracht, wo eingefleischte Dresdner den “Yuppies” zwar die Schuld daran geben, dass der Stadtteil schon wieder zum hippen In-Viertel verkommt – aber irgendwas gibt’s ja immer zu mäkeln und ich hab das jetzt gar nicht so empfunden. Auf jeden Fall, und das sagen alle, ist das der erfrischende und lebendige Gegenentwurf zur Touristenfalle Altstadt.

Und, was ich noch lernte: Selbst Dresden-Liebhaber oder aber auch Urdresdner finden, dass Leipzig durchaus seine Vorzüge hat. Ich zitiere Meister Erich Kästner, der es treffender nicht zusammenfassen könnte:

Leipzig ist das Heute. Und Dresden – das Gestern … Leipzig ist die Wirklichkeit. Und Dresden – das Märchen.

Könnte daran liegen, dass ich in Leipzig noch nie so oft Leute über ihre Stadt habe schimpfen hören. Könnte aber tatsächlich auch daran liegen, dass Leipzig schon immer ein bisschen frischer und ein bisschen weniger barock war.

Für dieses Jahr steht, um all die Eindrücke und Einschätzungen noch mal zu sortieren und die verpassten Streetarts zu sammeln, eine Klassenfahrt nach Dresden an. Bei gemütlicherem Wetter als minus fünf Grad und Eiswind. Ich überlege aber noch, ob man den Auflug vielleicht doch noch vorziehen sollte, denn bis Ende Februar gibt es im Schloss Moritzburg noch eine Sonderausstellung zu Drei Haselnüsse für Aschenbrödel. Und da bin ich ja, so sehr ich die Wirklichkeit Leipzigs liebe, doch Märchenfan.

 

Freunde, jetzt hab ich neulich so eindrücklich von meinem ersten Leichenerlebnis berichtet, da sollt ihr auch in den Genuss kommen, die Leichenerfahrung via Bildschirm mit mir teilen zu können. Möglich wird das morgen bei LexiTV oder ab da im Internet auch. So. Genug Werbung.

Übrigens hat mein letzter Dreh zum Thema Lebensmittel nicht zu einem weiteren Ausschluss-Beruf geführt. Einen Hofladen führen und auf dem Feld Rotkohlköpfe abschneiden fetzt doch irgendwie. Der einzige Haken: Der Meister sagte, er stehe jeden Morgen gegen halb fünf auf. Tja, das ist dann natürlich wieder unangenehm.

Zerschneide ich doch lieber weiterhin virtuelle Kohlköpfe. Nutzt ja alles nüscht.

Schönen Abend und weiterhin fleißiges Kommentieren der Blogeinträge!

Frau Hansen

 

Wäre es nicht sowieso schon zu spät, ich würde durch Ausschlusskriterien wohl am Ende einfach auch so beim Journalistsein landen. Am Montag hat sich mein Verdacht bestätigt, dass ich nichts arbeiten könnte, was – sagen wir großzügig – mit Körpern zu tun hat. Folgende Berufe werden dadurch ausgeschlossen:

Arzt. Das Negativbeispiel der Mutter (die eine großartige Ärztin ist und nach wie vor und für alle Zeiten die Einzige, die mir Spritzen geben darf) mit den sonntäglich 12-Uhr-Anrufen (“Meine Tochter hat seit drei Tagen Bauchschmerzen. Können Sie bitte jetzt sofort ganz schnell vorbei kommen?”) hat den Grundstein gelegt und die Gewissheit, dass es noch ekligere Dinge als Mandelentzündungen gibt, ließ dann gleich alle artverwandten Berufe, Altenpfleger, Krankenschwester, Rettungssanitäter, mitsterben.

Fleischer. Ergab sich dann durch den Blutwurstfilm von Kollege Gräber. Wenn ihr euch nichts darunter vorstellen könnt: Blutwurst wird hergestellt, indem man mit der bloßen Hand in einem Bottich voller – ratet mal, richtig: Blut rumrührt.

Bestatter. Ich habe am Montag beim Dreh meine erste Leiche gesehen. Ich kenne jetzt das Spezifikum von Verwesungsgeruch. Ich weiß, dass die Omis nicht einfach nur so aussehen, als würden sie schlafen, sondern dass sie Plastikteile unter den Augen haben, um die eingefallenen Augäpfel zu kaschieren, dass der Mund über Wege, die ihr gar nicht wissen wollt, zugenäht wird und dass Konservierungsmittel durch die Arterien gepresst  wird, damit die Haut noch ein bisschen rosig aussieht. Und da war dann auch die Überlegung dahin, dass es doch ganz tröstlich sein kann, Angehörige in ihrer Trauer zu begleiten. Und ich hasse diese Erfahrung dafür, dass ich eben nie wieder eine schlafende Omi in einer Leiche entdecken werden kann.

Tja, auf der anderen Seite ist es doch schön, wenn der Beruf dann immer wieder die beste Rechtfertigung für das Ausüben von eben jenem liefert: Nach einem Tag ist man weg vom Geschehen und nach der Sendung ist man in einem anderen Thema. Das heißt jetzt Lebensmittel. Beitragstitel mit dem Namen “Mogelpackung Lebensmittel” verderben mir aber dann gleich auch wieder den Appetit und da, Freunde, hört der Spaß auf. Das muss ich jetzt mal hinkriegen, ohne den Hunger zu verlieren.

Freut sich heute mal noch auf die Gute-Nacht-Schokolade ohne faden Beigeschmack,

Frau Hansen

 

Verschnupft und voller Eindrücke zurück von einer Zwei-Tage-Goethe-Lernreise nach Weimar, bezahlt von euren GEZ-Geldern. Die wichtigste Erkenntnis will ich euch aus diesem Grund auch nicht vorenhalten: Goethe war ein verdammter Messie. Oder wie würdet ihr das nennen, wenn ein einzelner Mensch in seinem Leben 18000 Steine, 26500 Kunstwerke (und zwar auch den üblichen Trannel – so bemalte Tellerchen zum Beispiel) und 1000 Schädel und Skelette in einem Haus auftürmt? Mal ganz zu schweigen von der winzigen Privatbibliothek mit nur mehreren tausend Büchern. Ich bin immer noch am überlegen, wie man tetrisartig all die Einzelheiten in ein Haus einbaut. Okay, 26 Zimmer, schön, aber es ist ja auch die Frage, ob man so einen Eisbärenschädel wirklich im Schlafzimmer haben will, vielleicht als Brillenhalter, oder ob das nicht vielleicht doch komisch kommt. Sei’s drum. Lustiges aus Goethes Gruselkabinett jedenfalls könnt ihr bald im Fernsehen sehen, ich kümmer mich die nächsten Tage drum, dass das alles in eine schöne Form kommt und dann geht’s zum Goethegeburtstag bei LexiTV ab. Yeah.

Ach ja, übrigens – was meine Wohnung angeht:

Hier war Goethe nie.

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