Gestern war ich unterwegs, drehen, in einer Ausstellung, und zwar der Frida-Kahlo-Ausstellung in Berlin. Der Ort ist für diese Geschichte aber ungefähr so relevant wie die Frage, ob man nun am Morgen, am Abend, gar nicht oder ständig die Fenster öffnen sollte, um die Hitze aus der Wohnung zu kriegen – es ist eh egal, weil die Hitze immer gleich ist und niiiiiie rausgeht, leider. Jedenfalls: Ich mache gerade das Interview mit der Kuratorin der Ausstellung, da pirscht sich so langsam von rechts hinten ein total ausgebufftes Kind an und stellt sich nach kurzer Überlegung, wo denn nun der wirklich richtige Punkt sei, um ganz genau in die Kamera gucken zu können, hin und winkt. Oh, welch innovatives und überraschendes Verhalten, denke ich mir, und sage dann: “Hier, mein Freund, kannst du vielleicht mal nach ganz da hinten gehen und dir einfach so ein Bild ganz genau angucken?”
Liebe ausgebuffte Kinder der gesamten Welt: Wenn ihr wirklich sicher gehen wollt, dass Kameraaufnahmen NICHT im Fernsehen gezeigt werden, dann nur weiter so. Ratet mal, warum man winkende ausgebuffte Kinder so gut wie nie im Fernsehen sieht (es sei denn, nachrichtenschwangere Angela Merkels oder Elton Johns sagen was superes im Vordergrund). Da habt ihr jetzt mal richtig gedacht: Weil es verdammt scheiße aussieht und weil man sich als geneigter Zuschauer dann immer fragt “Was ist das denn für ein bescheuertes ausgebufftes Kind, das da winkt?” und dann nicht mehr drauf achtet, was der Mensch, der da spricht, eigentlich superes zu sagen hat.
Diese Kinder können auch gern mal Erwachsene sein und müssen nicht unbedingt winken. Auch sehr schön sind so originelle Kommentare aus dem Hintergrund wie: “Bin ich jetzt im Fernsehen?”, “Guck mal, Jürgen, jetzt kommst du ins Fernsehen!”, “Jürgen, zieh mal den Bauch ein, jetzt wirst du gecastet für [wahlweise einsetzen] Germany’s Next Topmodel / Popstars / den Dieter Bohlen!” oder auch “Was gibt’s denn da jetzt als Gage, wenn ich hier im Film mitspiele?” Nein, verdammt, weder ihr selber noch der Jürgen kommt ins Fernsehen, zu einer Castingshow, in irgendeinen Film oder kriegt auch noch Geld dafür, dass ihr mit diesen kreativen und an Lustigkeit kaum noch zu überbietenden Einwürfen ein müdes Lächeln, weil man ja nett sein soll und Vorbild ist und so weiter, provoziert. Vielleicht könntet ihr euch stattdessen mal was neues ausdenken – vielleicht könntet ihr im Hintergrund Bilder malen oder, und das wäre nur begrüßenswert, dem Kamerateam keine Worte, sondern Schokolade, Bier oder ein Eis schenken.
Aber genug der Arroganz dieser Medienleute, es hat nach wie vor Gutes, sich auch mal mit all diesen Leuten auseinanderzusetzen: Es ergibt einen Blogeintrag und es gibt auch die Zeiten, in denen man für all das entschädigt wird – wenn man zum Beispiel das Privileg hat, die Frida Kahlo Ausstellung eine Stunde für sich ganz allein zu haben oder im Anschluss an den Dreh noch ziemlich entspannt und kostengünstig in die Olafur Eliasson Ausstellung kann. Letztere kann ich nur empfehlen – also, wenn ihr mal in Berlin seid…
Viele Grüße, vor allem an den Jürgen,
die Medienzicke Hansen.