Es ist nach wie vor möglich, das Leben ohne Handy. Aber so langsam nervt’s. Ich denke immer noch regelmäßig, dass es klingelt oder dass es vibriert hat, aber das sind nur Täuschungen meines wirren Kopfes. Und dann ist es noch so, dass man ja durchaus per Festnetz oder Email Drehtermine ausmachen kann, aber wie blöd ist es denn bitte, dann sagen zu müssen: “Naja, äh, also wenn sie mich zurückrufen wollen, dann ist das grad eher schlecht, weil ich nie irgendwo lange am Festnetz sitze und mein Handy ist vorübergehend nicht existent.”

Gut, damit kommt man ja klar, aber was echt fies ist, ist, dass die soziale Verrohung in der Diplomarbeitszeit durch den Handymangel ja nur noch verstärkt wird. Man kann ja nicht mal durch SMS-Schreiben prokrastinieren Freundschaften erhalten oder durch erhaltene SMSen denken, dass die Menschheit Anteil am eigenen Leid nimmt. Man ist wirklich ein bisschen raus, was natürlich noch schlimmer wird, wenn die Leidensgenossin derzeit auch keinen regelmäßigen Internetzugang hat. Ach, ach, ach. Schreibt mir doch wenigstens einen Kommentar, bitte.

Gleich noch mal zum Briefkasten rennend (vielleicht ist die SIM-Karte ja doch schon gekommen),

Frau Hansen.

 

Herzlich Willkommen, werte Leser, im Sommerloch. Deutlich erkennbar an der zurückgehenden Zahl an Blogeinträgen und kuriosen Meldungen. Schön, dass (scheinbar) ordentlich versteuerte privat genutzte, geklaute und wieder aufgetauchte Dienstwagen Aufmacher werden. Auch schön zu hören, dass die Heizkosten steigen werden, wenn wir nicht mehr mit Glühlampen die Bude erwärmen können und auf Energiesparlampen umsteigen müssen. Besonders schön auch, wenn es nicht mal mehr Sommerlochthemen gibt und man auf eigentlich schon wieder gefüllte Sommerlöcher zurückgreifen muss, wobei das einen traurigen Beigeschmack bekommt: Sammy, der 1994er Kaiman aus dem Baggersee, ist bei seinen Kumpels im Zoo nicht sehr beliebt. Schade, das.

Ich persönlich freue mich über Sommerlochnachrichten in Form von Postkarten. In der Küche gibt es so eine Leine, wo die gesammelten Werke hängen, und derzeit gibt es fast tägliche Fluktuation ob des begrenzten Platzes für die Karten. So, was hat das jetzt mit dem Anspruch des Lernens zu tun, Frau Hansen, fragt ihr mich zurecht? Folgendes: Ich kürte soeben die willkürliche Top 3 der lernenswertesten Karten an meiner Leine zum heutigen Stand der Dinge.

Platz 3:

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Dank Janas Hinweis weiß ich und jetzt auch ihr, warum die Karte aus dem alten Rom stammt. Guckt euch den Papst mal genau an.

Platz 2:

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So sehen Streetarts in Peru aus, schreibt Simeon. The message, the message, the message.

Platz 1:

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Ich mochte Felix’ Zeichenkünste schon immer, spätestens, seitdem wir uns im Unterricht immer Elefanten hin- und herzeichneten. Jetzt ist der Felix ein Herr Diplom-Ingenieur, was man auch an seinen modernen, detailverliebten Skizzen sieht. Dank dieser jedenfalls kann ich mir jetzt mal merken, wo Luv und Lee sind und wie Wind aussieht.

Ich danke allen bisherigen Kartenschreibern und will nicht nur sie, sondern alle alle alle alle alle alle anflehen, mir noch mehr Karten zu schicken. Hier ist zum Beispiel eine Karte aus dem Spreewald und eine aus den Bergen, die mal ausgetauscht werden könnten, weil sie schon so lang hängen.

Ich geh wieder ins Sommerloch, da ist es kühler und es gibt Eisel.

Cheers,

Kristin

 

Speiseeis (Sorte: egal, aber kein Wassereis, weil davon kriegt man Würmer im Bauch!), das anders als Kugeleis nicht in schöner Form auf die Waffel drapiert wird, sondern – der Name verspricht ein Feuerwerk eurer Sinne: mittels Spatel drauf geklatscht wird. Typische Eisdarreichungsform südlich des Alpenvorlandes und ergibt in etwa sowas:

Klatscheis mit Klatscheisproduzentem (hinten).

Klatscheis mit Klatscheisproduzenten (hinten).

Jana und Janine waren sich sehr sicher, dass es das Wort gibt – dem ist nicht so und jetzt sollte aber mal dafür gesorgt werden, dass das Klatscheis in den Bauch und in den Duden kommt.

Leckerstes Klatscheis allererster Güte gibt es übrigens bei Tichy in Wien, hingehen und gern auch artfremdes Eis essen, zum Beispiel Eismarillenknödel (die dann ja wieder eine Form haben, wenn ihr versteht…).

Ach ja: Bei dem ersten Teil dieser illustren Rubrik rief ich dazu auf, mir gern auch noch wortakrobatische Rätsel zu schicken. Hat se den Mund ganz schön voll genommen, die Hansen, denn folgende Knobelei von Siola ist nach wie vor ungelöst:

Kannst mir ja irgendwann auch erklären wie es kommt, dass wir “allerdings” sowohl als Zustimmung als auch als Einleitung einer Einschränkung verwenden.
Beispiel1: Anne Will stinkt. – Oh ha, Allerdings.
Beispiel2: Anne Will stinkt. – Stimmt, allerdings ist an ihr noch viel störender, dass sie das großartiger Talkformat “hart aber fair” dreist kopiert und damit eine Gleichförmigkeit der Talklandschaft bewirkt.

Siola versprach mir, auf ihren Duden “Hansen” zu kleben, wenn ich es rauskriege, aber vielleicht gibt es auch Namenssticker von euch und die sehen auch gut aus auf Gelb und deshalb könnt ihr ab sofort lustig mitraten. Hauptpreis der Allerdingsigen Tombola: Ein ordentliches Klatscheis. Allerdings.

 

Nach einer halben Woche kann ich folgende Wissenszuwächse verzeichnen:

- Niemand schafft es, zwölf Salzstangen oder eine Scheibe Brot in weniger als einer Minute zu essen. Janas Rekord liegt bei 1’05. Wenn ihr’s schneller schafft, dann beglückwünsche ich euch, rate euch aber, auf jeden Fall ein Glas Wasser (still, groß) bereit zu stellen.

- Die Windsors hießen früher Sachsen-Coburg-Gotha, haben sich aber im Zuge der Unpopulärwerdung (schon allein das ist doch ein Zugewinn, dieses Wort!) des / der Deutschen umbenannt nach der Residenz ihrer Sippe. Außerdem hatten die früher den Nachnamen Battenberg, sofern die nicht Princess oder so hießen. Jetzt heißen sie Mountbatten-Windsor – ratet, warum. Auf den Trichter brachte mich übrigens Christiane, die bei den nächsten Wahlen für Frau Weischenbergs Nachfolge kandidiert.

- Die Welt ist ein Dorf und zwar nicht nur zu Olympia. Ich kenne jetzt drei Mitglieder einer US-amerikanischen Forschergruppe an der Northwestern University von zwei unabhängigen Recherchen für LexiTV Sendungen. Ist das nicht irre? Ich meine: Amerika ist riesig, Chicago größer als Saalfeld, eine Uni ist an sich ist nicht wirklich die kleinste Einheit einer Gesellschaft. An sich wäre es also schon krass, drei Amerikaner oder Chicagoer (Chicagonesen? Chicagoaner? Chicager? Chicagos?) einer Fachrichtung zu kennen – aber dann auch noch drei aus einer Gruppe von sieben (?) Leuten… Unabhängig voneinander… Unglaublich. Ich bin verwirrt.

- Ach, und hier: Schweinegrippen sind scheinbar beliebter als Weltenbummler. Hört mir auf mit diesem Quotendreck… Gefühlt waren Weltenbummler schöner und besser und sehenswerter.  Aber was will man machen.

So, weiterlernen!

Die Lexikonfee.

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