Ach, Freunde des iPhones oder der Genugtuung, ich bekam letzte Woche einen Artikel zugetragen, der runter geht wie Öl und den ich dem geneigten Blogleser nicht vorenthalten kann. Kurze Zusammenfassung: iPhone-Besitzer verhalten sich so wie Geiseln, die am Stockholm-Syndrom leiden. Dieses Syndrom wurde bei Entführungsopfern beobachtet: Als Reaktion auf den psychischen Druck der Geiselnahme zeigen die Betroffenen Sympathie und Verständnis für ihren Geiselnehmer.

Und was hat das jetzt mit dem iPhone zu tun? Also, laut Artikel sind die Besitzer der Überwasserwaage einem mächtigen Selbstbetrug aufgesessen. Sie stehen hinter ihrem Geiselnehmer, dem iPhone, egal was passiert. Zwar sei das iPhone ohne Zweifel schick designt und fantastisch zu bedienen, aber es gibt dennoch Mankos: Die ersten Geräte zum Beispiel konnten keine MMS verschicken oder keine SMS weiterleiten. Es kann nicht mehrere Anwendungen gleichzeitig ausführen und der Akku kann nicht ausgetauscht werden. Es gibt wohl noch mehr Mängel, die eine dänische Beraterfirma aufgelistet hat.

Interessant wird’s, wenn man iPhone-User mit diesen Mängeln konfrontiert. Die nehmen das geliebte Gerät dann nämlich ohne Wenn und Aber in Schutz, meist mit dem Argument: “Die Funktion braucht man ja auch gar nicht.” Also: Auch wenn der Geiselnehmer böse ist, hat man ihn trotzdem unheimlich gern, weil das die Psyche entlastet – immerhin war die Anschaffung des Geräts extrem teuer und man will doch jetzt wirklich nicht seine eigene Kaufentscheidung in Frage stellen. Nein, das will man wirklich nicht.

Ist gespannt auf die Rechtfertigungskommentare der Apple-Freunde,

Frau Hansen.

 

Heute sagte die Moderatorin in dem Radiosender, den ich immer zu hören pflege: “Hier ist dein iPhone-Radio”. Erwäge ganz ernsthaft den Wechsel zu einem anderen Sender, bloß detektor.fm kann ich über mein fünf Jahre altes Tchibo-Radio im Bad nicht hören, weil es keinen W-Lan-Anschluss hat. Es ist ein Graus mit der Moderne und dem Radio.

 

Nein, ich werte keine Wahlergebnisse aus (außer ein dreifaches Yeahyeahyeah darauf, dass die NPD in Thüringen nicht drinne ist). Ich will muss kurz in eine monatelang angeritzte Kerbe schlagen, und zwar: Ich hassehassehasse Twitter. Hängt zum Einen zusammen damit, dass ich iPhones so bedeutsam finde wie Tamagotchis früher. Zwei Dinge sind da nur anders: Der frühere Klassikersatz “Guck mal wie meins gewachsen ist” heißt jetzt “Guck dir mal meine neue Wasserwaagenapplikation an” und: Tamagotchi hab ich mitgemacht, aber ob meiner unendlichen Weisheit weiß ich mich jetzt der iPhone-Manie zu entziehen.

Warum zum Henker muss ich überall in der Stadt die Möglichkeit haben, meine Emails zu checken, wenn man doch auch mal die kommunikative Zwangspause genießen kann und warum kann man es nicht auch einfach mal gut finden, nach dem Weg zu fragen statt auf dem kleinen Bildschirmchen die Googlemaps in die richtige Richtung zu drehen? Muss man nicht, ich nicht.

So. Und die Oberperversion dieser iPhone-Grütze ist die Kombination mit Twitter. Folgende Szene: Wir sind beim HGB-Sommerfest und der nächstsitzende iPhonebesitzer im Freundeskreis ist total freudig erregt, als er bei Twitter liest, dass jemand getwittert hat, dass es ja krass ist, dass beim HGB-Fest Gogos tanzen und er twittert da jetzt mal zurück. Aha, okay… Kann man machen, man kann aber auch einfach die Real-Life-Social-Net-Sache mal wieder forcieren. Gut, jetzt ist das ja noch ganz süß und schöner Jungskram, mit dem man sich auf mikrotechnische Art und Weise beschäftigen kann. Aber was richtigrichtig nervt ist, wenn Nachrichten, mit Vorliebe Musiknachrichten im Radio, von Twittermeldungen dominiert werden und ich so erfahre, mit wem sich Lily Allen gerade zofft oder dass Miley Cirus gerne so wäre wie Britney Spears. Who cares? Ja, verdammt, sinnlosen Tratsch gab es schon immer, aber da war er noch stilecht dramatisiert von Frau Weischenberg und nicht so billig selbstproduziert.

Und das allerallerallerbeschissenste ist dieser “ERSTER!!!”-Wettlauf um die möglichst zeitnahe Bekanntgabe von geheimen Sachen, wie eben jetzt gerade den Wahlergebnissen. Was soll das denn? Wir sind doch nicht beim Quiz und Twitter ist kein Buzzer, ihr Idioten.

Ziemlich erregt versucht Frau Hansen jetzt, ihren Twitter-Account zu löschen – fände sie die verwaisten Zugangsdaten wieder.

Ach so, aber zum abendlichen Spaß noch eine Handlungsempfehlung: Geht mal auf bing.de und gebt als Suchwörter sachsen cdu ein. Ich denke ja, die Wahl muss wiederholt werden wegen gefährlicher Wählertäuschung…

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