Ich hab das jetzt mal zehn Tage unverbindlich ausprobiert: Man kann durchaus 26 sein. Das ist in Ordnung. Nachdem direkt in der Nacht nach meinem Geburtstag mein linker Arm heftig zu schmerzen begann und es mir wie ein untrügliches Zeichen spontanen Alterns erschien, scheint ja jetzt die Sonne und das Leben fühlt sich unverändert an. Da bin ich aber beruhigt.
Letztens war ich in einem Seifenladen und habe für die Patenkinder bunte Badeseife gekauft. Sagt doch dann die Verkäuferin zu mir: “Ich gebe Ihnen mal noch eine Probe von einer ganz tollen Anti-Aging-Creme mit gegen die ersten Fältchen.” Ich guck auf die Packung: “Für die Haut ab 28.” Ich habe bestimmt alles, aber keine ersten Fältchen und ich bin bestimmt alles, aber nicht 28. Ich hab ihr die Creme trotzdem nicht um die Ohren gehauen, sondern brav Danke gesagt.
Auf dem Nachhauseweg ist mir dann aufgefallen, dass mich schon lange keiner mehr nach meinem Ausweis gefragt hat, als ich Alkohol kaufen wollte. Würden die aber schön gucken, wenn ich denen jetzt meinen niegelnagelneuen Über-Personalausweis zeigen würde. Fragt aber keiner mehr.
Stattdessen könnte ich aus Sätzen wie diesen eine Sandburg bauen: “Krass, das Lied habe ich vor acht Jahren das letzte Mal gehört!”, “Ich hab vor vier Jahren hier angefangen zu arbeiten.”, “Die Tarte-Form von Tchibo ist echt super.” Ich möchte mir im Moment gar nicht vorstellen, wie das denn sein wird, wenn ich auf alle Rückzählungen noch mal zehn Jahre draufschlagen kann und wenn ich statt Tarte-Förmchen von Tupperdosen zu sprechen beginne…
Auf der anderen Seite: Der Rentenversicherungsberater hat letzte Woche gesagt, dass ich noch 41 Berufsjahre vor mir habe. Das ist deutlich mehr, als ich bis jetzt überhaupt schon abgelebt habe und trotz der Traurigkeit darüber, dass ich so lange noch auf die Dauerfreizeit sparen muss, hat das auch etwas versöhnliches. Und so lange es noch Leute gibt, die sagen: “Ach, bist du noch jung…” kann ich mich ja noch ein bisschen als Küken fühlen.
In zwei Wochen klappt die zweite Stelle wieder rum. Grade jetzt, wo ich mir gemerkt habe, dass ich auf die Frage nach dem Alter souverän mit “25″ antworten kann, ohne groß zu überlegen. Klingt ja auch irgendwie gut. Ich habe ja bereits im letzten Jahr beschlossen: Twentyfive for life. Das Motto behalte ich und überlege in der Zwischenzeit, ob ich mir eine Dose von der Anti-Aging-Creme kaufen soll, die hat sich nämlich verdammt gut angefühlt auf der Haut.