Liebe Freunde des internationalen Informationsgewinns,
es folgen sonnenglutrotverfärbte Urlaubserinnerungen.

Die Emilia-Romagna ist das Mitteldeutschland Italiens.
In der Region wurde Italien zu dem, was es ist und die Menschen im Veneto mögen das nicht – sie wären lieber eigenständige Landsleute der Südtiroler und Österreicher, wie mir Francesca sagte. In der Emilia-Romagna findet man das aber glaub ich alles gut so, wie es ist und ist stolz auf die allererste der italienischen Flaggen, auf Mortadella, auf Ferraris, auf mehrere Päpste, auf den heiligen Schinken, auf die großartige Landschaft, auf den Käse, auf die Künstler, auf die geschichtsgetränkten Altstadtplaster der Städte und auf noch so viel mehr, was hier her kommt, hier erfunden wurde oder hier berühmt wurde. Fast wie in Mitteldeutschland. Herrlich. Wenn es hier nur auch solche Pasta gäbe…

“Vorrei qualcosa contro le punture d’insetto.”
So oder ähnlich wünschte ich mir nach einer schlaflosen Nacht wegen zwei komplett zerstochenen Mückenstichbeinen in dieser kleinen Apotheke in Faenza nichts sehnlicher als beruhigende Salbe. Ich warte also stolz ob des richtig zumindest verständlich angewandten Italienischbrockens auf den netten Apotheker und merke kurz später: Ein einfaches “Fenistil, è???” hätte es auch getan. Merken: Fenistil heißt in Italien auch Fenistil und kostet 7,42 Euro (besser als spontan gekaufte Sonnencreme: 15 Euro). Und wenn ihr einigermaßen italienisch klingen wollt, dann müsst ihr sehr sehr theatralisch sprechen und an jeden Satz ein lautes und forderndes “è” anhängen. Ansonsten halten sich die Fortschritte meinerseits in Grenzen, was die Sprache angeht und es bleibt der Wunsch, doch jetzt aber wirklich mal wieder unbedingt das Italienisch aufzufrischen.

Max Herre gibt es auch in Italien, er heißt dort Jovanotti.
Die Analogie: Beide haben Locken, beide haben früher Rap gemacht und singen heute lieber poppige Lieder. Das wird sowohl hier als auch da nicht unkritisch beachtet, aber “Punto” von Jovanotti ist für mich der Ohrwurm und der Soundtrack des Urlaubs.

San Marino muss man nicht gut finden
Alles, was ich bislang mit San Marino verband, war die Erinnerung an ein Freundschaftsspiel der Nationalmannschaften und da sagte der Kommentator: In San Marino wird schon gefeiert, wenn sie weniger als zehn Tore kriegen. Bei 30.000 Einwohnern ist es aber auch jetzt nicht so einfach, eine Profimannschaft aufzustellen. Immerhin ist keiner von den 30.000 arbeitslos, heißt es, und bei einer Tour durch den “Staat” ist auch klar, warum: Jeder einzelne von ihnen hat einen Souvenirladen und die Waren sind entweder Plastikwaffen, naiv-bunt bemalte und / oder vergoldete Teller, Lederwaren oder genau der Touristennepp, den es überall gibt, nur mit der Aufschrift San Marino. Beeindruckend die Tatsache, dass das alles auf einem Felsen ist und beeindruckend auch die Aussicht von dort oben. Nicht so beeindruckend die Touristen, die die Zahl der Menschen in dem Zwergland für ein paar Stunden vertausendfachen.

Man kann Muscheln essen
Wir waren auf der Rückfahrt in Vicenza bei Francesca und ihrer Familie zu Gast. Der Vater ist der Koch des Hauses und verwöhnte uns mit gefühlten elf Gängen. Kleines Problem für mich: Alle Gänge bestanden aus Fisch, Muscheln oder Garnelen in verschiedenen Größen. Als gut erzogenes Mädchen habe ich alles, wirklich alles probiert und mein Verdacht, man stürbe sogleich, sobald Muschelfleisch den Gaumen passiert hat, hat sich nicht bestätigt. Ich danke meinen Eltern für die anerzogene Höflichkeit und Francescas Vater dafür, dass er mir das Fischessen beigebracht hat.

So, Kinder, und zum Schluss, quasi zum Mortadella ums Maul schmieren noch
Tipps für wenn ihr mal dort seit:
1) Übernachtet in Ravenna bei Giorgio
Man kann sich Hotelburgen und Geld sehr gut sparen, wenn man in Bed&Breakfast-Häusern übernachtet. Haben wir getan und am herzallerliebsten ist uns das B&B Cento19 in Ravenna gewesen. Giorgio kümmert sich wie ein Vater liebevoll um das Frühstück der Gäste, die Einrichtung ist cool, die Preise sind völlig in Ordnung und man kann sogar bis ins Zentrum von Ravenna laufen.

2) Geht baden in Lido di Dante
Die Adriaküste in Italien ist nichts für ostseeverwöhnte Binnenländler. Von Ravenna bis Rimini ist fast der gesamte Strand bebaut, die Liegen der einzelnen Lidi reihen sich kilometerweit am Meer entlang. Wenn ihr aber nicht unbedingt Fitnessgeräte am Strand braucht und Sand zwischen den Füßen und am Hintern durchaus angenehm findet, dann ist Lido di Dante in der Nähe von Ravenna sehr empfehlenswert, weil unbebaut und leer. Und man hat Blick auf eine Ölplattform. Na, wenn das nix ist.

3) Esst in Parma im Dal Balos – oder im Park
Es ist wirklich Zufall, ob ein Restaurant gut ist oder Touristennepp anbietet – optisch gibt es keine Indizien. Am allerallerbesten fanden wir das Dal Balos in Parma in der Via Emilia Lepido. Der Koch sieht aus, wie ein Koch aussehen muss, ist unglaublich nett, bedient die Gäste auch gern selbst und kommt aus Frankreich. Alternativ ist es immer super, sich dort, wo die Schinken von der Decke wachsen, ein paar Scheiben feinster Schweineprodukte und einen Wein zu kaufen und sich damit dann in den Park oder aufs Zimmer zu setzen und ein kleines Mahl zu kredenzen. Fetzt.