Irgendwann im Herbst ziehe ich immer die Schublade auf, wo alle Spezialbesteckteile wild durcheinander liegen. Heute zum Beispiel. Das Messer habe ich gleich in der Hand, den Löffel finde ich erst später. Ich hatte mal zwei Sets, beide geschenkt bekommen. Eins von BSF, eins von WMF. Heute hatte ich das Messer von BSF in der Hand und den Löffel von WMF. Interessehalber gucke ich also noch mal nach den Pendants, finde aber nur ein weiteres Messer von BSF. Was ist da passiert über den Sommer? Hat sich Frau WMF von ihrem Mann getrennt und ihn rausgeworfen? Hat sie mit Herrn BSF einen Sohn gezeugt? Man weiß es nicht. Mysteriöse Dinge gehen vor sich in dieser Schublade, heute zu Halloween, da will man lieber gar nicht noch mehr drin rum wühlen.

Also, mit Herrn BSF und Frau WMF rücke ich der Grapefruit zu Leibe. Grapefruitessen ist Herbst- und Winterangelegenheit, heute hat die Saison begonnen. Und immer, wenn ich Grapefruits esse, muss ich so sehr an meine Oma denken, dass es schon fast weh tut. Das weiß sie wahrscheinlich gar nicht. Muss ich ihr mal erzählen. Früher hat mich meine Oma immer mit Grapefruits gefüttert, ich glaube, wir haben sie einfach Pampelmuse genannt. Grapefruitmesser- und -gabeln gab’s da nicht, aber die Technik war die gleiche (halbieren, Zucker drauf, das Fleisch zwischen den Häuten rausfiletieren, essen, zum Schluss den Rest aus der Schale kratzen, essen) und ich glaube, meine Mimik ist auch die gleiche wie bei meiner Oma damals. Der Grapefruitsaft spritzt nämlich ein bisschen, gern auch ins Gesicht, also macht man ein kleines Zitronengesicht beim Verzehr.

Grapefruitessen macht alles klebrig und dauert lange. Deshalb drücke ich mich immer so lange davor, bis ich Angst habe, die Grapefruit wird schlecht, wenn ich sie nicht jetzt esse. Mal Oma fragen, ob sie vielleicht ab und zu Lust hätte, mich mit Grapefruit zu füttern. Das ging irgendwie leichter für mich damals. Jedenfalls ist Grapefruitessen aber eine gute Tätigkeit, um nachzudenken, zum Beispiel, wie es hier auf diesem Blog weitergehen soll, den ich so kalt und herzlos zurück ließ. Leider bin ich zu keinem Entschluss gekommen. Aber wenn ihr dabei seid, gucke ich einfach mal, was die nächsten Wochen so bringen. Ich kann ja noch mal in der Schublade kramen, vielleicht findet sich noch eine Spezialbesteckanekdote.

 

Könnt ich mich dran gewöhnen: Dürüm und ne Club Mate aus Youcefs Oase.

Youcef

Besser und näher als die Mensa und auch nicht sooo teuer.

Mahlzeit,

die tippende Frau Hansen.

 

Liebe Freunde des internationalen Informationsgewinns,

es folgen sonnenglutrotverfärbte Urlaubserinnerungen.

Das ist Kitsch, ja. Aber schön. Unterwegs

Die Emilia-Romagna ist das Mitteldeutschland Italiens.

In der Region wurde Italien zu dem, was es ist und die Menschen im Veneto mögen das nicht – sie wären lieber eigenständige Landsleute der Südtiroler und Österreicher, wie mir Francesca sagte. In der Emilia-Romagna findet man das aber glaub ich alles gut so, wie es ist und ist stolz auf die allererste der italienischen Flaggen, auf Mortadella, auf Ferraris, auf mehrere Päpste, auf den heiligen Schinken, auf die großartige Landschaft, auf den Käse, auf die Künstler, auf die geschichtsgetränkten Altstadtplaster der Städte und auf noch so viel mehr, was hier her kommt, hier erfunden wurde oder hier berühmt wurde. Fast wie in Mitteldeutschland. Herrlich. Wenn es hier nur auch solche Pasta gäbe…

Brisighella Wäscheleine

“Vorrei qualcosa contro le punture d’insetto.”

So oder ähnlich wünschte ich mir nach einer schlaflosen Nacht wegen zwei komplett zerstochenen Mückenstichbeinen in dieser kleinen Apotheke in Faenza nichts sehnlicher als beruhigende Salbe. Ich warte also stolz ob des richtig zumindest verständlich angewandten Italienischbrockens auf den netten Apotheker und merke kurz später: Ein einfaches “Fenistil, è???” hätte es auch getan. Merken: Fenistil heißt in Italien auch Fenistil und kostet 7,42 Euro (besser als spontan gekaufte Sonnencreme: 15 Euro). Und wenn ihr einigermaßen italienisch klingen wollt, dann müsst ihr sehr sehr theatralisch sprechen und an jeden Satz ein lautes und forderndes “è” anhängen. Ansonsten halten sich die Fortschritte meinerseits in Grenzen, was die Sprache angeht und es bleibt der Wunsch, doch jetzt aber wirklich mal wieder unbedingt das Italienisch aufzufrischen.

Oliven Jemand zu Hause?

Max Herre gibt es auch in Italien, er heißt dort Jovanotti.

Die Analogie: Beide haben Locken, beide haben früher Rap gemacht und singen heute lieber poppige Lieder. Das wird sowohl hier als auch da nicht unkritisch beachtet, aber “Punto” von Jovanotti ist für mich der Ohrwurm und der Soundtrack des Urlaubs.

Magdeburger Börde. È?????

San Marino muss man nicht gut finden

Alles, was ich bislang mit San Marino verband, war die Erinnerung an ein Freundschaftsspiel der Nationalmannschaften und da sagte der Kommentator: In San Marino wird schon gefeiert, wenn sie weniger als zehn Tore kriegen. Bei 30.000 Einwohnern ist es aber auch jetzt nicht so einfach, eine Profimannschaft aufzustellen. Immerhin ist keiner von den 30.000 arbeitslos, heißt es, und bei einer Tour durch den “Staat” ist auch klar, warum: Jeder einzelne von ihnen hat einen Souvenirladen und die Waren sind entweder Plastikwaffen, naiv-bunt bemalte und / oder vergoldete Teller, Lederwaren oder genau der Touristennepp, den es überall gibt, nur mit der Aufschrift San Marino. Beeindruckend die Tatsache, dass das alles auf einem Felsen ist und beeindruckend auch die Aussicht von dort oben. Nicht so beeindruckend die Touristen, die die Zahl der Menschen in dem Zwergland für ein paar Stunden vertausendfachen.

Bei Francesca Steine

Man kann Muscheln essen

Wir waren auf der Rückfahrt in Vicenza bei Francesca und ihrer Familie zu Gast. Der Vater ist der Koch des Hauses und verwöhnte uns mit gefühlten elf Gängen. Kleines Problem für mich: Alle Gänge bestanden aus Fisch, Muscheln oder Garnelen in verschiedenen Größen. Als gut erzogenes Mädchen habe ich alles, wirklich alles probiert und mein Verdacht, man stürbe sogleich, sobald Muschelfleisch den Gaumen passiert hat, hat sich nicht bestätigt. Ich danke meinen Eltern für die anerzogene Höflichkeit und Francescas Vater dafür, dass er mir das Fischessen beigebracht hat.

Ex-Krebs Besser als Muscheln: Eis

So, Kinder, und zum Schluss, quasi zum Mortadella ums Maul schmieren noch

Tipps für wenn ihr mal dort seit:

1) Übernachtet in Ravenna bei Giorgio

Man kann sich Hotelburgen und Geld sehr gut sparen, wenn man in Bed&Breakfast-Häusern übernachtet. Haben wir getan und am herzallerliebsten ist uns das B&B Cento19 in Ravenna gewesen. Giorgio kümmert sich wie ein Vater liebevoll um das Frühstück der Gäste, die Einrichtung ist cool, die Preise sind völlig in Ordnung und man kann sogar bis ins Zentrum von Ravenna laufen.

Sonnenschirmuntergang

2) Geht baden in Lido di Dante

Die Adriaküste in Italien ist nichts für ostseeverwöhnte Binnenländler. Von Ravenna bis Rimini ist fast der gesamte Strand bebaut, die Liegen der einzelnen Lidi reihen sich kilometerweit am Meer entlang. Wenn ihr aber nicht unbedingt Fitnessgeräte am Strand braucht und Sand zwischen den Füßen und am Hintern durchaus angenehm findet, dann ist Lido di Dante in der Nähe von Ravenna sehr empfehlenswert, weil unbebaut und leer. Und man hat Blick auf eine Ölplattform. Na, wenn das nix ist.

Lido di Dante

3) Esst in Parma im Dal Balos – oder im Park

Es ist wirklich Zufall, ob ein Restaurant gut ist oder Touristennepp anbietet – optisch gibt es keine Indizien. Am allerallerbesten fanden wir das Dal Balos in Parma in der Via Emilia Lepido. Der Koch sieht aus, wie ein Koch aussehen muss, ist unglaublich nett, bedient die Gäste auch gern selbst und kommt aus Frankreich. Alternativ ist es immer super, sich dort, wo die Schinken von der Decke wachsen, ein paar Scheiben feinster Schweineprodukte und einen Wein zu kaufen und sich damit dann in den Park oder aufs Zimmer zu setzen und ein kleines Mahl zu kredenzen. Fetzt.

 

Zurück aus Wien und an Erholung und schönen Erfahrungen und sicherlich auch einigen Pfunden reicher. Dieser Tatsache bin ich heute mit einem selbstgemachten Salat begegnet. Superlecker, aber nichts gegen Erdäpfel-Vogerlsalat zu einem Wiener Schnitzel. Oder Eis von Tichy. Oder Sachertorte mit Schlagobers.

Schnitzelliebe.

Was ich entdeckte: Wien ist streetartmäßig ganz weit vorne dabei – das werdet ihr bald in der verticale-streetartgallery sehen, hoffe ich. Auf Styroporbananen im Museumsquartier liegen könnte zu den Lieblingssommeraktivitäten avancieren. Ich lerne die Wiener Arroganz jedes Mal mehr lieben. Riesenradfahren fetzt. Brotschmieren im strömenden Regen unter ner Donaubrücke auch, irgendwie.

Klassenfahrtgruppe

Großer Dank an die Klassenfahrtgruppe für die tolle Klassenfahrt und noch größeren Dank an Wien für’s Schönsein.

Mehlspeisen-Addict-Kristin

© 2011 verticale Suffusion theme by Sayontan Sinha