Kleine Verschnaufpause: Der März war der Monat der Konzerte. Dieses Jahr noch mal richtig einen auf jugendlich machen und auf viele Konzerte gehen, dachte ich mir, nächstes Jahr wird das nicht mehr so einfach gehen. Daher zwei Schmankerl aus meinem März zum weihnachtlichen Einschunkeln:

 

 

Es war kalt im Februar, kalt am Rhein und kalt bei den Raketen. Das passte zur Stimmung ein bisschen. Am Rhein habe ich Tschüss gesagt zu dem Herz, das fortan als Reisesiolita von sich reden und lesen machen sollte. Unglaublich, jetzt ist sie fast ein Jahr weg und wir haben gelernt, dass es für unsere Fern-Beziehung kaum Unterschiede macht, ob sie in Düsseldorf, Peru oder Bali rumhängt. Danke, Internet. Danke, Herz. Ich bleibe hier als ausharrender Pol in Leipzig und warte auf dich. Und dann gab es im Februar eben noch die Raketen. Das war arbeitstechnisch mein Thema und ich war in Dresden bei einem Raketenfreak und an der Ostsee und überall war es kalt. Das traurigste an den Raketen war nicht nur, dass ich die Ostsee gar nicht richtig gesehen habe, als ich dort war, sondern auch, dass ich mein Versprechen, aus der Sendung eine Mädchensendung zu machen (Raketen als Modeschmuck, Raketen selber häkeln, Raketen tanzen), nicht halten konnte.

Sei’s drum, der Februar hat meinen Jahreslieblingsliedern ein Spitzenlied beschert, das auch ein bisschen unterkühlt ist und deshalb superst zum Monat passt und als Entschädigung Bilder vom Meer enthält:

 

So lange die dicke Frau noch singt ist die Oper nicht zu Ende und so lange ich zehnmal im Jahr hier etwas poste ist der Blog noch nicht tot. Das ist jetzt beschlossene Sache. Ich will mich aber befleißigen und dieses Jahr blogseitig aktiver ausklingen lassen als es bislang hingedümpelt ist. Zwölf Tage hat das Jahr noch, da passen noch zwölf Einträge rein und da das Jahr zufällig zwölf Monate hat, will ich jeden Eintrag einem Monat widmen. Irre Idee mit irrem System: Es geht mit Januar los.

Januare beginnen meist mit allen Folgen von Planet Erde im Fernsehen, die ich schlafend und ausnüchternd und kopfschmerzend am Sofa vorbeilaufen lasse. Großartig dabei: Man schläft mit Elefanten ein und wacht in der Antarktis auf. Schöner kann kein Katertraum verlaufen. Dieses Jahr war das aber nicht so und ich weiß, woran das lag. Meine Freundin Siola war nicht da und also auch nicht die bunten Schnäpse, die ihre Mutter ihr im Jahr davor angedreht hatte. Und das Battle der Billig-Champagnare von Lidl und Aldi haben eindeutig beide verloren, was darin endete, dass wir die Flaschen ganz lässig und so versnobt, wie man eben wirken kann mit Discounter-Schampus in der Hand, durch die Straßen mitführten, um sie dann an einer Ecke stehen zu lassen. Schade um die zweimal 11,99 Euro (merke: dieses Jahr 13,99 Euro. That’s Inflation right there!). Auch anders waren in diesem Januar folgende Dinge: ich musste keine Hühnersuppe kochen, weil kein Haushaltsmitglied so krank war, dass nur Hühnersuppe hätte helfen können, in Leipzig lag ein bisschen Schnee und in den Alpen lag soviel Schnee, dass es selbst die Menschen dort überraschte. Mein Kleinwagen bekam also das letzte Mal in seinem schönen Autoleben Schneeketten angezogen und meine Erinnerung ein Bild von einem Winter eingebrannt, das 70-Jährige irgendwo in der Kindheit suchen müssen. Und mitten in dieser Schneemassenromantik, zwischen Kräuterschnapsflaschen und Bolognese-Resten habe ich das erste Mal dieses Video gesehen, das entweder alle schon kannten oder auf jeden Fall zwei Tage später ungefähr fünfmal gesehen haben müssen, so viele Hits wie der Clip bei YouTube hat:

Und alle so: Krass, der Typ mit den Haaren, was der für eine Stimme hat!

Tschüss, bis Februar.

 

Irgendwann im Herbst ziehe ich immer die Schublade auf, wo alle Spezialbesteckteile wild durcheinander liegen. Heute zum Beispiel. Das Messer habe ich gleich in der Hand, den Löffel finde ich erst später. Ich hatte mal zwei Sets, beide geschenkt bekommen. Eins von BSF, eins von WMF. Heute hatte ich das Messer von BSF in der Hand und den Löffel von WMF. Interessehalber gucke ich also noch mal nach den Pendants, finde aber nur ein weiteres Messer von BSF. Was ist da passiert über den Sommer? Hat sich Frau WMF von ihrem Mann getrennt und ihn rausgeworfen? Hat sie mit Herrn BSF einen Sohn gezeugt? Man weiß es nicht. Mysteriöse Dinge gehen vor sich in dieser Schublade, heute zu Halloween, da will man lieber gar nicht noch mehr drin rum wühlen.

Also, mit Herrn BSF und Frau WMF rücke ich der Grapefruit zu Leibe. Grapefruitessen ist Herbst- und Winterangelegenheit, heute hat die Saison begonnen. Und immer, wenn ich Grapefruits esse, muss ich so sehr an meine Oma denken, dass es schon fast weh tut. Das weiß sie wahrscheinlich gar nicht. Muss ich ihr mal erzählen. Früher hat mich meine Oma immer mit Grapefruits gefüttert, ich glaube, wir haben sie einfach Pampelmuse genannt. Grapefruitmesser- und -gabeln gab’s da nicht, aber die Technik war die gleiche (halbieren, Zucker drauf, das Fleisch zwischen den Häuten rausfiletieren, essen, zum Schluss den Rest aus der Schale kratzen, essen) und ich glaube, meine Mimik ist auch die gleiche wie bei meiner Oma damals. Der Grapefruitsaft spritzt nämlich ein bisschen, gern auch ins Gesicht, also macht man ein kleines Zitronengesicht beim Verzehr.

Grapefruitessen macht alles klebrig und dauert lange. Deshalb drücke ich mich immer so lange davor, bis ich Angst habe, die Grapefruit wird schlecht, wenn ich sie nicht jetzt esse. Mal Oma fragen, ob sie vielleicht ab und zu Lust hätte, mich mit Grapefruit zu füttern. Das ging irgendwie leichter für mich damals. Jedenfalls ist Grapefruitessen aber eine gute Tätigkeit, um nachzudenken, zum Beispiel, wie es hier auf diesem Blog weitergehen soll, den ich so kalt und herzlos zurück ließ. Leider bin ich zu keinem Entschluss gekommen. Aber wenn ihr dabei seid, gucke ich einfach mal, was die nächsten Wochen so bringen. Ich kann ja noch mal in der Schublade kramen, vielleicht findet sich noch eine Spezialbesteckanekdote.

 

Wenn es denn welche gäbe, Freunde, wenn es denn welche gäbe. Ich bin eine große Balkongärtnerin. Leider ist der Balkon zu klein, um ein Kartoffelbeet anzulegen oder Wein über Hollywoodschaukeln ranken zu lassen. Aber es ist nicht so, dass ich nicht darüber nachgedacht hätte. Was ich tatsächlich umgesetzt habe: Selbst Pflanzen gezogen. Auch Nutzpflanzen. Was daraus wurde, möchte ich kurz stichwortartig festhalten:

  • Schnittlauch: Kurz nachdem er mir seine zarten, jungen Härchen entgegenreckte und damit die schnellste Entwicklung der Kräuterbabies hinlegte, überkam ihn auf dem Balkon scheinbar der plötzliche Kindstod. Die braunen Kringel seiner kläglichen Existenz landeten im Biomüll.
  • Basilikum: Auch selbstgezogen. Die ersten beiden, die ich vereinzelte, wie wir Gärnter zu sagen pflegen, bekamen eine ominöse Erkrankung und also gelbe Blätter. Auch sie fanden ihr Grab im Biomüll.
  • Erdbeeren: Ich habe zum Geburtstag so ein Tchibo-Schnellstarterset bekommen. Terrakottatopf mit allerhand Pflanzausbuchtungen und Erdbeersamen. Ist auch alles schön so weit, aber wenn ich mir diese kleinen Blättchen anschaue und Blüten gänzlich vermisse, befürchte ich, dass die Erdbeerernte in diesem Jahr ausbleiben wird. Kannste einlagern im Keller übern Winter, sagen die, die es wissen müssen. Ich weiß ja nicht. Aber ein Jahr gebe ich ihnen noch.
  • Radieschen: Mein ganzer Stolz. Zehn von zwölf Samen sind aufgegangen. Vier davon haben Knollen bekommen. Vier davon waren so holzig, dass sie – ihr ahnt es vielleicht – im Biomüll mit den anderen Balkonzombies Halloween feiern können. Trotzdem neu ausgepflanzt. Diesmal nur sechs Samen.
  • Kapuzinerkresse: Und da sind wir schon beim letzten Sorgenkind: Treibt keine Blüten. Ist ja auch klar, wozu hat man auch sonst dieses Monstrum von Pflanze auf dem Balkon. Sieht ja auch unheimlich erquickend aus, wie sich diese runden Blätter zu tausenden um meine Tomatenpflanze (Ha! Lichtblick! Heute geerntet. Genießbar, aber Papas Harzfeuer früher waren irgendwie lecker und nicht nur tomatesk.) ranken und mal verwelken, mal über den Boden schleifen. Es gibt da Spielraum.

Großartig. Da kommt man dann doch dahinter, warum die Eltern plötzlich nur noch einen Ziergarten haben wollen. Dieses Ansinnen konnte ich anfangs nur missbilligen. Nach meinen Ernteerfolgen werden die Gründe dafür erahnbar. Aber man muss ja auch sagen: Die Johannisbeeren, die nach fünf Jahren endlich dann auch mal am Strauch hingen, waren doch auch lecker. Man muss scheinbar Geduld haben mit diesen Nutzpflanzen. Werde ich also aufbringen und weiter gießen. Gleich noch einen ordentlichen Schluck Bio-Kräuterdünger (8 Euro die Flasche) an die Petersilie hauen. Die ist mein bestes Pferd im Stall. Go for it, Petersilie. Und während des Wachstums der Sorgenkinder erfreue ich mich an den Blumen (nur nicht an den selbstgezogenen Mittagsblumen, die ich von meiner Freundin bekam, denn die, so will es die Selbstziehlogik in diesem Balkonjahr, treiben bislang keine Blüten).

 

Es gibt neue Streetarts in der Galerie, Freunde! Dank der Reisesiolita jetzt auch aus aller Welt. Größten Dank dafür, mein Herz.

Buenos Aires (Argentinien), 2012

 

 

Badesalz. Warum denn nicht. Kann man doch mal drüber bloggen, vor allem, wenn doch hier sonst nichts passiert. Badesalz, also. Ich würde den Erfinder dessen gern mal fragen, was das bitte soll.

Sonntage sind Badetage, Sonntage mit Magen-Darm-Turbo-Infekt umso mehr. Ich also die Tüte aufgemacht, die ich zum Geburtstag  bekam, die versprach ein Badeerlebnis allererster Güte. Nun kann man dem Schenker keine Vorwürfe machen, ich wusste ja bis zum Abtrocknen an diesem Sonntag auch noch nicht, dass ich Badesalz nicht mag. Aber dieses Badesalz hat komisch gerochen, es hat keinen Schaum gemacht (ist wohl so bei Badesalz, was?) und dass das für die Haut was Gutes bedeutet, möchte ich dem Mittel auch mal absprechen. Eine Mogelpackung, würden wir in der Redaktion sagen. Alle notwendigen Badezusatzeigenschaften werden da doch unerfüllt zurück gelassen. Da lobe ich mir doch die anderen badewannenassoziierten Geburtstagsgeschenke, die ich hiermit empfehlen möchte: Es sind LED-Lichter, die im Badewasser funkeln und ihre Farbe ändern. Klingt sinnlos, ist aber großartig. Dazu eine Badebombe von Lush, die all das hat, was Badesalz nicht hat: Sie riecht gut, sie macht ordentlich Schaumrabatz und sie lässt die Haut ganz weich werden. Super. Merkt euch das für den nächsten Geburtstag, Freunde.

 

Dieses Facebook, ey. Früher hätte ich einfach dieses Schmankerl hier gebloggt. Heute stellt man den Link fix bei Facebook rein, ein paar schmunzeln und dann fragt keiner mehr danach! Aber manche Links sollten für die Ewigkeit an die Wand gemeißelt werden, dazu gehört diese Glosse, die mir zufällig unter kam und mich sehr zum Lachen gebracht hat:

“Man kann es lustig finden, man kann sich darüber aufregen – nur ignorieren kann man es nicht: dass viele Jugendliche nicht mehr in der Lage sind, einen Satz ohne “Alder” oder “Digger” zu beenden. Wer darüber klagt, mag das tun, er muss sich jedoch darüber im Klaren sein, dass Lamentieren nichts nutzt. (…)

Linderung könnte ein Gedankenexperiment schaffen: Vielleicht ist das, was da gesprochen wird, gar keine niedere Sprache – sondern eine höher entwickelte. (…) “Digger” wäre ein Komma, “Alder” ein Punkt (“Diggeralder” folglich ein Semikolon), und “deine Mudder” stünde für das Ausrufezeichen.

Irgendwann werden vielleicht Bücher in dieser Sprache erscheinen, Neuauflagen von Klassikern, inklusive “Es irrt der Mensch Digger solang er strebt Alder” (Goethe), “Gott würfelt nicht deine Mudder” (Einstein). “Sein oder nicht sein Digger das ist hier die Frage Alder” (Shakespeare) und natürlich “Geben Sie Gedankenfreiheit Digger Sire deine Mudder” (Schiller).”

Quelle: “Digger, Alder und die Interpunktion”, Hamburger Abendblatt, 31.05.2011

Nach diesen neuen Regeln der Interpunktion würde sich dieser Blogeintrag übrigens so lesen:

Dieses Facebook Digger ey Alder Früher hätte ich einfach dieses Schmankerl hier gebloggt Alder Heute stellt man den Link fix bei Facebook rein Digger ein paar schmunzeln und dann fragt keiner mehr danach deine Mudder Aber manche Links sollten für die Ewigkeit an die Wand gemeißelt werden Digger dazu gehört diese Glosse Digger die mir zufällig unter kam und mich sehr zum Lachen gebracht hat Alder

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