Ach, Freunde des iPhones oder der Genugtuung, ich bekam letzte Woche einen Artikel zugetragen, der runter geht wie Öl und den ich dem geneigten Blogleser nicht vorenthalten kann. Kurze Zusammenfassung: iPhone-Besitzer verhalten sich so wie Geiseln, die am Stockholm-Syndrom leiden. Dieses Syndrom wurde bei Entführungsopfern beobachtet: Als Reaktion auf den psychischen Druck der Geiselnahme zeigen die Betroffenen Sympathie und Verständnis für ihren Geiselnehmer.

Und was hat das jetzt mit dem iPhone zu tun? Also, laut Artikel sind die Besitzer der Überwasserwaage einem mächtigen Selbstbetrug aufgesessen. Sie stehen hinter ihrem Geiselnehmer, dem iPhone, egal was passiert. Zwar sei das iPhone ohne Zweifel schick designt und fantastisch zu bedienen, aber es gibt dennoch Mankos: Die ersten Geräte zum Beispiel konnten keine MMS verschicken oder keine SMS weiterleiten. Es kann nicht mehrere Anwendungen gleichzeitig ausführen und der Akku kann nicht ausgetauscht werden. Es gibt wohl noch mehr Mängel, die eine dänische Beraterfirma aufgelistet hat.

Interessant wird’s, wenn man iPhone-User mit diesen Mängeln konfrontiert. Die nehmen das geliebte Gerät dann nämlich ohne Wenn und Aber in Schutz, meist mit dem Argument: “Die Funktion braucht man ja auch gar nicht.” Also: Auch wenn der Geiselnehmer böse ist, hat man ihn trotzdem unheimlich gern, weil das die Psyche entlastet – immerhin war die Anschaffung des Geräts extrem teuer und man will doch jetzt wirklich nicht seine eigene Kaufentscheidung in Frage stellen. Nein, das will man wirklich nicht.

Ist gespannt auf die Rechtfertigungskommentare der Apple-Freunde,

Frau Hansen.

  6 Responses to “Das iPhone-Stockholm-Syndrom”

  1. Super :)

  2. Das is doch jetzt aber quatsch :P

  3. Ich glaube das Rechtfertigen ist weniger ein In-Schutz-nehmen des iPhones, sondern Verteidigung gegen den Vorwurf, man würde sich wegen des Apfel-Fetischs bevormunden und der wichtigsten Funktionen berauben lassen.

    Ich selbst hätte natürlich auch lieber ein iPhone, welches von Hause aus offener ist und dann muss man abwägen, ob die vielen iPhone-only-Apps und die flutschige Synchronisation von Kontakten, Kalendern und Musik mit dem Laptop überwiegen oder ob man lieber die Funktionen will, die das iPhone nicht hat.

    Ich hatte jahrelang Handys, die MMS konnten. Geschrieben habe ich eine einzige, das wäre allerdings heute eine E-Mail. Eine SMS weitergeleitet habe ich nie.

    Das mit dem Multitasking unterbinden sie ja nicht, weil sie böse sind und auch nicht, weil sie doof sind, sondern weil es Strom frisst. Genauso steht es um Flash: Wenn es so Pillepalle ist, einen Tablet-PC mit langer Laufzeit UND Flash zu bauen, warum hat dann die Konkurrenz nichts dergleichen? Nichtmal annähernd. HP und Co. sind ja auch keine Neulinge.

    Klar könnte man sagen, es sollen die Nutzer entscheiden, ob sie mit Multitasking ihren Akku verglühen, aber den Ansatz, die Kunden von solchen technischen Entscheidungen verschont zu lassen, finde ich nicht unbedingt böse.

    In vieler Hinsicht könnte man Apples Vorgehen als paternalistisch betrachten, natürlich immer auch darauf bedacht, dass es mit dem eigenen Geschäftsmodell harmoniert. Wenn du einen iPod vernünftig nutzen willst, bist du gezwungen deine Musikbibliothek in Schuss zu bringen, Interpretennamen einzutragen etc. Im ersten Moment geht es einem auf die Nerven, im Nachhinein freut man sich über sein aufgeräumte Musiksammlung. Wenn iTunes dann einmal gepflegt und angewöhnt ist, liegt es natürlich näher dort Musik zu kaufen, als bei anderen Anbietern. So profitiert wiederum Apple. Apple bevormundet, aber man kann von Glück reden, dass der Weg, der vorgeschrieben wird, meist ziemlich ordentlich ist. Ich bin sehr neugierig auf Gegenbeispiele, vielleicht übersehe ich etwas.

  4. Ich fand den Nachschlag irgendwie witzig, weil es so gut zum ersten Artikel gepasst hat. Ich habe jetzt zwar den Ruf der Applebenutzerhasserin inne, was nicht der Plan war, aber dafür ne interessante Diskussion angestoßen. Diese Stockholmsyndromnummer ist freilich Quatsch, zumal man die “Symptome” ja nicht nur auf das iPhone beziehen könnte. Und wissenschaftlich ist es ja nun auch nicht wirklich…

  5. Ach so, und Gegenbeispiel bzw. komische Nummer: Die Siola erzählte gestern am Telefon, dass ihr iTunes nicht mehr funktioniert. Beim Hilfesuchen im Internet stieß sie auf Foren, in denen Leute ihre Erfahrungen mit dem Apple-Kundenservice gepostet haben. Deren Lösungsansatz war: Legt euch einen neuen Account an. Was bedeuten würde, die ganze Musik vom einen in den anderen Account zu schaufeln. Ohne Garantie, dass der neue dann nicht auch irgendwann nicht mehr funktioniert.

  6. Ist das Problem gelöst? Vielleicht kann ich helfen. Siola, woran hängt es denn?

    Gruß vom iPad
    Thomi

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