Nein, ich werte keine Wahlergebnisse aus (außer ein dreifaches Yeahyeahyeah darauf, dass die NPD in Thüringen nicht drinne ist). Ich will muss kurz in eine monatelang angeritzte Kerbe schlagen, und zwar: Ich hassehassehasse Twitter. Hängt zum Einen zusammen damit, dass ich iPhones so bedeutsam finde wie Tamagotchis früher. Zwei Dinge sind da nur anders: Der frühere Klassikersatz “Guck mal wie meins gewachsen ist” heißt jetzt “Guck dir mal meine neue Wasserwaagenapplikation an” und: Tamagotchi hab ich mitgemacht, aber ob meiner unendlichen Weisheit weiß ich mich jetzt der iPhone-Manie zu entziehen.
Warum zum Henker muss ich überall in der Stadt die Möglichkeit haben, meine Emails zu checken, wenn man doch auch mal die kommunikative Zwangspause genießen kann und warum kann man es nicht auch einfach mal gut finden, nach dem Weg zu fragen statt auf dem kleinen Bildschirmchen die Googlemaps in die richtige Richtung zu drehen? Muss man nicht, ich nicht.
So. Und die Oberperversion dieser iPhone-Grütze ist die Kombination mit Twitter. Folgende Szene: Wir sind beim HGB-Sommerfest und der nächstsitzende iPhonebesitzer im Freundeskreis ist total freudig erregt, als er bei Twitter liest, dass jemand getwittert hat, dass es ja krass ist, dass beim HGB-Fest Gogos tanzen und er twittert da jetzt mal zurück. Aha, okay… Kann man machen, man kann aber auch einfach die Real-Life-Social-Net-Sache mal wieder forcieren. Gut, jetzt ist das ja noch ganz süß und schöner Jungskram, mit dem man sich auf mikrotechnische Art und Weise beschäftigen kann. Aber was richtigrichtig nervt ist, wenn Nachrichten, mit Vorliebe Musiknachrichten im Radio, von Twittermeldungen dominiert werden und ich so erfahre, mit wem sich Lily Allen gerade zofft oder dass Miley Cirus gerne so wäre wie Britney Spears. Who cares? Ja, verdammt, sinnlosen Tratsch gab es schon immer, aber da war er noch stilecht dramatisiert von Frau Weischenberg und nicht so billig selbstproduziert.
Und das allerallerallerbeschissenste ist dieser “ERSTER!!!”-Wettlauf um die möglichst zeitnahe Bekanntgabe von geheimen Sachen, wie eben jetzt gerade den Wahlergebnissen. Was soll das denn? Wir sind doch nicht beim Quiz und Twitter ist kein Buzzer, ihr Idioten.
Ziemlich erregt versucht Frau Hansen jetzt, ihren Twitter-Account zu löschen – fände sie die verwaisten Zugangsdaten wieder.
Ach so, aber zum abendlichen Spaß noch eine Handlungsempfehlung: Geht mal auf bing.de und gebt als Suchwörter sachsen cdu ein. Ich denke ja, die Wahl muss wiederholt werden wegen gefährlicher Wählertäuschung…
Großartig Frau Fine…diese Wutausbrüche…wundervoll.
Ich weiß, ich hatte großspurig angekündigt, Frau Weischenbergs Job zu übernehmen. Aber wer zum Teufel ist Miley Cyrus? Muss ich die kennen?
Ich sehe…Frau Weischenberg soll ihre Arbeit machen und ich meine…das ist für alle besser.
Miley Cyrus…?!.
Liebe Grüße…
da schlägt einem ja ne menge hass zwischen deinen zeilen ins formschöne gesicht.
ja, also meine meinung: das mit dem “erster sein” ist uns natürlich schon ein wenig in die berufliche wiege gelegt. twitter allerdings stinkt wirklich und ich weigere mich bis heute twitter verstehen zu wollen. gleichzeitig stellt sich mir natürlich investigativ die frage: warum hast du einen twitter-account?
das i-phone hingegen mag ich sehr. zugegeben. es sieht smart aus, würde sich neben mac und i-pod gut machen und hat einfach “minority report”-kewlness (steigerung von cool). außerdem könnte ich von überall deine neuen homepageeinträge lesen! (knicker).
freue mich auf dein dasein, bald.
Ach Hansi wir lieben es, wenn du dich mal so richtig über etwas aufregst! Das sind Nachrichten die zu Herzen gehen. Mit Feuer vorgebracht und stilsicher mit einem mir bis dato unbekannten Mittel verstärkt: die Wortverdopplung und -verdreifachung. Endlich hab ich einen Ersatz für die langsam abgnudelten Steigerungsadjektive ultra und delux. Inhaltlich liegen wir wie so oft auf einer Wellenlänge. Doofedoofe beschneidende und lebensverwaschende Kommunikationselektronik, die ihre momentane Blüte in der Twitter-iPhone-Kombination findet. Die ersten Opfer: die Tratschtanten aus der Nachbarschaft. Jeder twitter, keiner quatscht. So sind die Frauen und Männer von Nebenan auf die Schilderung vergangener Ereignisse angewiesen und verlieren den Bezug zum Jetzt und Hier mit Britney und co. Meine Hypothese spiegelt sich deutlich im Wahlerfolg der SED und einer anderen Nachnachfolgepartei.
So hat jede Entwicklung ihre Gewinner und Verlierer. Twittern in, Tratschen out. Die gesellschaftlichen Konsequenzen sind abzusehen…
Gegenbeispiel Japan.
Man muss ja auch mal Hass artikulieren dürfen. Ich finde iPhone immer noch sinnlos – man kann den Blog auch gemütlich bei ner Tasse Tee zu Hause lesen, so oft passiert ja nix. Das mit dem schnell sein beim Informieren – korrekt, aber so weit ich weiß sind die Twitterer selten Mitarbeiter von Nachrichtenagenturen, müssen deshalb nicht die ganze Welt mit ihren Vorteilsinfos beglücken und obendrauf noch die Gültigkeit der Wahl gefährden. Das Ding ist ja: Wären sie Agenturmitarbeiter, könnten sie mit den Infos umgehen. Können sie aber nicht.
Ach ja, und ich hatte nen Twitter-Account, weil ich das mal ausprobieren wollte, das war aber (Achtung, der KEWLnessfaktor steigt jetzt gleich beträchtlich) bereits Anfang des Jahres, als noch kaum jemand wusste, was Twitter bedeutet. Ob mangelnden iPhones und mangelndem Willen, das zu verstehen (dito, Siola), werd ich das Ding kicken. Stinkt eh.
Miley Cirus ist eine US-amerikanische Teenie-Schickse, glaub ich… Und eure Kommentare machen mich nach wie vor sehr stolz und glücklich.
“Your account has been deleted. Bye!” Tschüssn.
Ich begebe mich in die Opposition und sage: Beides hat eine Daseinsberechtigung, vor allem das iPhone. Ich stimme dir aber vollkommen zu, dass Twitter voller langweiliger Stubenhocker ist, die denken sie hätten Freunde, wenn sie viel von sich geben. Das iPhone ist — wie leider auch alle anderen Apple-Produkte — vielfach Hodenersatz. Ich denke aber, dass die Leute, die mit iPhone und Twitter ihre Lebenszeit verdillern, auch vorher schon doof und langweilig und nervig waren.
Über mein iPhone freue ich mich trotzdem immer wieder, z.B. …
… wenn ich unterwegs, auch und vor allem im Ausland, über Skype für 1kommanichts Cent normale Telefonnummern anrufen kann.
… wenn ich in der Innenstadt die Praxis meines Orthopäden nicht finde und nur danach googlen muss.
… ich mir keine Bus- und Bahnpläne mehr merke, sondern immer die Fahrplanauskunft aktuell in der Tasche habe.
… weil mich jeden Tag unterwegs Dinge interessieren — und ich sie jetzt immer bei Wikipedia nachschlage, statt die Fragen zu vergessen. Vermutlich bin ich in fünf Jahren bei Wer wird Millionär unschlagbar. Also, vielleicht.
… weil meine Todo-Liste, mein Adressbuch und mein Kalender (samt Termin-Erinnerungen) synchron mit dem Rechner sind und ich seit dem iPhone ein halbwegs organisierter Mensch bin. Kristin, Fe, das ist bei mir ein Killerargument, oder?
Auf die Gegenargumente bin ich sehr gespannt. Wenn du gewinnst, kannst du die Kiste haben.
Thomi, ich finde Opposition ja gut und ich glaube, wir haben beide Recht (ich bin heute versöhnlich gestimmt). Mein Lieblingsargument ist das mit dem kostenlos telefonieren und die Sache mit dem Wer wird Millionär, gesetzt dem Fall, du gibst mir was vom Gewinn ab, wenn ich dir als Telefonjoker im Bereich Weisheit weiterhelfen kann.
Was mich aber beunruhigt ist die Feststellung, dass du zum Orthopäden gehst. Hoffentlich muss ich mir da keine Sorgen machen!
Bin vor nem Jahr beim Volleyball mal umgeknickt und hab mir in der Zeit des 6-mal pro Woche Unisport mal angepasste Einlagen machen lassen. Keine Angst, ich kann dich auch noch besuchen, wenn du nicht im Erdgeschoss wohnst.
Mir hat der Tamagochi Vergleich echt gut gefallen. Die Erinnerung an die diesbezüglichen Eskapaden in der 5. Klasse…
Ich bin nämlich auch ein bisschen schlauer geworden und belasse meine Kommunikation bei meinem alten Siemens Handy. Da man weiß dass diese nicht mehr hergestellt werden, kann ich mich zum guten alten Tratschen in der Tram zurück ziehen, da ich keine Ahnung habe wann oder ob die überhaupt am Bahnhof hält. Was wäre das Leben auch ohne Abenteuer?!
Und ohne die halbstündigen Streits wie das Paarungsverhalten des Feldhasens sich genau verhält wäre manche Autofahrt sehr emotionslos verlaufen.
Das Getwittere von Leuten die auf einem Festival direkt neben einem stehen hat mich manchmal dazu veranlasst zu fragen wie sie eigentlich neben ihrer Kommunikationsbefriedung noch Spaß haben können. Die Antwort sie twittern ihren Hochgenuss gerade an alle habe ich nicht verstanden.
Es ist wirklicher ein wahrer Segen das die NPD es nicht in den Landtag geschafft hat. Jedoch schaut man sich die Wahlergebnisse einmal genauer an wird einem Angst und bange. Eine Ghettoisierung der Ergebnisse zeigt – das in sozial Schwachen Bezirken die NPD sogar meist vor SPD oder CDU liegt – o im zweistelligen Bereich Erfolg hatte. So Titelte heute eine Ostthüringer Zeitung im Landkreis SLF-RU – “NPD-Hochburg”.
Es ist schade und eine schande wer seine Freiheit zu wählen auf die falsche Partei gesetzt hat aus falschen Parolen und Kampangen.
Dabei hat der Landkreis in den letzten Jahren so viel versucht dieses Image aus den 90zigern los zu werden. Es ist zum weinen!
Es gilt Ende September besser zu machen!