Die Reise begann alles andere als geschmeidig. Die AirBerlin Tante sagte nämlich gleich beim Einchecken, dass der Flieger zwei Stunden Verspätung hat. Gut. Was macht man denn bitte aber vier Stunden (wir waren ja aufgeregterweise zeitig da) auf dem Flughafen Berlin Tegel? Wenn auch viele Menschen über die Baupläne eines neuen Hauptstadtflughafens schimpfen: Wie sehr kann ich dieses Unterfangen nur unterstützen. In Tegel gibt es nichts, außer der Pachttoilette Heiko und vielleicht sieben Geschäften. Nicht mal Bänke für die Wartenden. Nicht mal einen Geocache in der Nähe. Irgendwie sind wir dann endlich hinter den Abtastern gelandet. Dort dann aber erstmal: Warten. Es gibt keine Busse und keine Menschen, die die Treppenwagen bedienen können.

Danach: Wieder acht Stunden warten. Im Flugzeug diesmal, aber das macht es nicht angenehmer. AirBerlin gehört wohl nicht zu den komfortabelsten Fluggesellschaften, egal, dafür war’s billig. Nach der Landung dann: Warten. Der Pilot hatte sich quasi verfahren und musste “von einem Traktor” zurückgezogen werden, wie er sagte. Das dauerte dann noch mal eine gute halbe Stunde.
Und dann, Freunde, dann betraten meine thrombosegefährdeten Beine das erste Mal amerikanischen Boden. Der war mit einem hässlichen Teppich bedeckt und endete am gefürchteten Officer. Nachdem wir also ein ESTA-Formular, ein API-Formular, ein Secure Flight Formular und eine Zollerklärung ausgefüllt hatten, in der wir bestätigten, keine Zellkulturen oder Schnecken einzuführen, nahm die US-Regierung durch diesen Officer noch unsere zehn Fingerabdrücke und ein biometrisches Foto auf. Ich hoffe, sie kleben es in ein schönes Album ein.
New York hätte es nun also leicht gehabt, meine Laune auf knapp über dem Nullpunkt zu belassen oder noch weiter runter zu ziehen. Hat sie aber nicht gemacht, die Stadt. Ich musste mich nicht drüber aufregen, dass man nichts findet, weil allein schon der Weg vom Flughafen zum Hotel kinderleicht beschildert und von netten Menschen flankiert war, die uns ihre Hilfe anboten, uns Vier-Tages-Metro-Tickets schenkten, weil sie zurück flogen, mir die Jacke aufhoben und nicht etwa stahlen und meinen Koffer in der Subway vom Wegrollen durch gezieltes Füßepositionieren sicherten.

Das Hotel, das Yotel heißt, ist der Wahnsinn für alle, die jünger als 50 sind, glaube ich. Ab 50, das beschließe ich jetzt, steht man sicher nicht mehr so darauf, dass die Badezimmerecke nicht durch eine Tür, sondern durch eine verschiebbare Glaswand getrennt ist. Aber vorher kann man sich über dieses Design und den MP3-Player-Anschluss am Flatscreen und die Monsunduschen und – das geilste – das Bett freuen. Das hat an der Seite nämlich zwei Knöpfe, mittels der man es entweder zum Sofa hochfahren oder eben zum Bett runterfahren kann.
Jetzt sind wir gerade im Synchronisationsmodus. Als wir gegen 2 Uhr deutscher Zeit und nach der ganzen Reisewarterei zum Times Square und also aus dem Staunen nicht mehr rauskamen, setzte dann doch die Müdigkeit mit einem großen Hammer zum Schlag auf den steifen Nacken an und beendete den ersten Reisetag. Dafür beginnt der zweite gegen 6 Uhr Ortszeit hellwach. Wir haben schon kurz aus dem Fenster geguckt: Dieses New York ist noch da. Wahnsinn.

 

  2 Responses to “Vom Warten und vom Wahnsinn dieser Stadt”

  1. Hallo Ihr Staunemenschen,

    schön, wie du schreibst, Kristin. Ich glaub du hast den richtigen Beruf gewählt.

    Sabine und ich haben köstlich gelacht, freut euch staunt und lasst uns unbedingt teilhaben an diesem AHA effekt.

    (…)

    Liebe Grüße und bleibt schön Neugierig

    SABINE UND BERND

  2. klingt super, euer Reisebericht! Viel Spaß weiterhin – obwohl mit Air Berlin nen Langstreckenflug – never…. ;)

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