Manchmal fängt man dann erst an, Musik zu mögen, wenn es schon zu spät ist. Ich habe dieses Album schon gern gehabt, aber so richtig richtig ans Herz gewachsen ist es mir leider erst, als es die Band schon nicht mehr gab, leider. Dieses Lied ist meine Oktobermusik, aber das Album ist fast das 2012-Album für mich. Es hat Witz, Liebe, ein bisschen Traurigkeit und Seele.

Und es hat große Worte:

“Doch ja, ich weiß jetzt, es gibt Menschen, die diese Welt durchaus rechtfertigen,
die durch ihr bloßes Dasein andern Menschen leben helfen,
die lieben und lieben und lieben und lieben und lieben und lieben,
als wär’ es das Leichteste der Welt.”

Kid Kopphausen, “Das Leichteste der Welt”

 

Es war klar, dass wir wegfliegen wollten und dass es nicht so teuer werden sollte. Nach gefühlten fünf Stunden Internetsuche waren Barcelona, Wien, Rom, Istanbul und ich weiß nicht was noch alles ausgeschlossen und Amsterdam gebucht. Amsterdam im September, das würde hervorragend werden und das wurde es auch. Deshalb heute zwei Tipps für eine schöne Zeit in Amsterdam:

Essen: Mantoe

Viel Zeit verbringen und viel Geld ausgeben kann man im Stadtviertel Jordaan, das ist wirklich schön und gemütlich da. Wir sind dem Hinweis einer Ladenbesitzerin dort gefolgt und waren bei Mantoe essen. Das ist afghanisch, das ist für uns ziemlich ungewöhnlich, aber enorm lecker. Es gibt keine Speisekarte, sondern nur ein Menü des Tages und man kann sagen, was man nicht isst. Das wird dann berücksichtigt. Aber wirklich, es war extremst lecker und empfehlenswert. Auch gut sein soll Cinema Paradiso. Das war aber immer voll, wenn wir hin wollten. Wurde uns aber von Einheimischen als bester Italiener der Stadt angepriesen.

Angucken: Hofjes

Hofjes suchen ist ein bisschen wie Geocaching – man liest im Reiseführer von den kleinen, ruhigen Hinterhöfen, man hat sogar die genaue Adresse, aber trotzdem ist es ein großes Erfolgserlebnis, wenn man den Eingang gefunden hat. Sehr niedlich und ruhig.

Shoppen: Noppies

Okay, Randgruppenshoppingtipp, aber: Noppies macht schöne, passende Schwangerschaftsmode für bezahlbare Preise. Der Weg zu dem Laden etwas außerhalb des Zentrums ist nicht der direkteste, aber man kann das schon mal machen. Die Besitzerin ist nett und gibt extra Tipps für die nächste Shoppingstation.

Das Lied zu Amsterdam ist keine Hymne auf die Stadt, sondern auf die bezaubernde Miss Blue. Without her I’m dying.

 

Ich lag auf dem Sofa und es lief Olympia. Fragt mich nach Degenfechten, ich würde sagen: Im August 2012 kannte ich die Regeln ganz genau. Das liegt daran, dass ich sehr lange auf dem Sofa lag und Olympia anschaute, wenn ich nicht gerade einen Zwieback aß, eine halbe Tasse Magen-Darm-Tee trank oder beides gesammelt ins Badezimmer trug. Was für ein Start in einen Monat, aber was für eine Gelegenheit, Olympia zu verfolgen und die Freundin zu beneiden, die dem ganzen Wahnsinn vor Ort arbeitend beiwohnte. Life with grace, Freunde.

So sommerlich fühlte sich der August im Kopf an, dass ich mich leichtsinnig breitschlagen ließ, dieser Campingsache eine fünfte Chance zu geben. Gut, die letzten vier Male war Zelten schon scheiße gewesen, aber trotzdem und aus großer Liebe zum Freund: noch einmal, Ostsee mit vollbepacktem Kleinwagen und geliehenem Zelt und Gaskartuschenkocher und sogar neuer Isomatte, die der Freund mir kaufte. Es waren heimelige 15 Grad auf diesem überfüllten Sachsen-Zeltplatz auf Usedom, der Wind war eiskalt, am Strand hielt man es mit drei Decken in der Strandmuschel dann doch erstaunlich lange aus und die Fertigsuppe wurde mit ungetoastetem Toastbrot fast zur Schmackadelle. In der ersten Nacht fror ich so, dass ich am nächsten Tag bei Kik noch eine Decke kaufte und in der zweiten Nacht hatte ich dann auch verstanden, dass das Brumm-Geräusch durch gezielte Seitenhiebe in des Freundes Schlafsack nicht wegging, weil es aus einem Schlafsack drei Zelte weiter stammte. Hat auch der Freund eingesehen, dass das nun doch nicht mehr meine große Liebe wird, das Zelten, und am zweiten Morgen gesagt: Ach komm, wir fahren heim. Yeah. Ein Hoch auf die heimische Badewanne, ein Hoch auf die Ikea-Matratze im Bett, ein Hoch auch auf den Cospudener See, an dessen Strand es ruhig und gemütlich und warm und sonnig war. Na ja, hätte auch klappen können mit dem Zelten.

 

Die Hälfte des Jahres und der Jahresendzeitblogeinträge ist vorbei. Ich habe ein bisschen das Gefühl, dass ich mich an den Blogeinträgen überfresse wie an der Weihnachtsente und dann erst im April wieder Hunger auf Neues habe. Nun, ich will versuchen, auch im neuen Jahr schon eher wieder zu bloggen.

Im Juli waren folgende Dinge auch vorbei: Der Juni und die EM und es scheint nicht so viel neu begonnen zu haben, zumindest nichts, woran ich mich erinnern würde. Sommerloch, ha! Was will man da machen. Nüscht. Deshalb einfach nur langweiligerweise ein Video:

Merke: Je kürzer die Blogeinträge desto länger die Musikvideos. Und: Je mehr twenty something man ist, wenn man es hört, umso passender der Titel.

 

Ein Bekannter, der in Stockholm an der Uni arbeitet, hat vor ungefähr sechs Wochen ein Bild gepostet, auf dem es in Stockholm mittags ziemlich dunkel ist und Schnee liegt. Weiß ich auch nicht, ob ich da drauf Lust hätte. Für mich ist Stockholm so: Sommerlich-mild, gutgelaunt und in Midsommar-Stimmung. Wir waren dort zur Sommersonnenwende, wir haben zusammen mit Stockholmer Jugendlichen auf Felsen über der Stadt extrem teures Bier getrunken und gewettet, wann und wo über der Stadt die Sonne untergeht. Es war 22:07 Uhr zwischen zwei Kränen. Nachts halb vier habe ich gedacht, ich muss aufstehen, weil ich längst verschlafen habe, so hell war es da. Oh, da passt das Juni-Lied perfekt dazu:

Wenn ihr im Sommer mal in Stockholm seid, dann müsst ihr mit dem Schiff, das sich fast anfühlt wie S-Bahn, nach Grinda fahren. Das ist eine kleine Schäreninsel, so klein, dass man in einer halben Stunde von der einen Seite auf die andere schlendern kann. Es gibt ein Restaurant, in dem gibt es genau ein Essen und das ist vermutlich immer mit Fisch. Es gibt eiskaltes Wasser, in das man trotzdem rein muss, und es gibt rote Astrid-Lindgren-Häuser.

 

“Ein Aktivismus auf einmal!”, sagt der Freund, der gerade die letzten Blogeinträge liest und, wie vermutlich alle, die gewohnheitsgemäß alle zwei Monate auf diesen Blog steuern und ausgelesene alte Dinge erwarten und dann doch überrascht sind, dass hier noch Leben ist. Ha! Nehmt dies, ihr Feiertagsblogleser.

Wir sind im Mai, es ist Frühling, es ist schon fast Sommer eigentlich und es ist München. Wir sind vorübergehend bei einem Freund quasi eingezogen, es fühlt sich jedenfalls nach WG an und auf seinem Balkon erdulde ich, dass der Gasgrill angeworfen wird. Das ist nur möglich, weil keine Thüringer Bratwürste draufliegen (merke: die gehören ausschließlich auf einen Holzkohlegrill). Gestern war Biergarten, heute ist Finale dahoam. Die gesamte Stadt ist FC-bayernisiert und natürlich hoffen wir auch, dass die Bayern gewinnen, einfach, weil wir danach die Feiersache mitnehmen wollen. Nach dem Spiel gibt’s aber keine Feiersache mehr, es gibt traurige Teenagerjungs in der U-Bahn, die in die Haare ihrer Freundinnen weinen. Ich wundere mich in diesen Tagen über den Englischen Garten, der so überfüllt ist, dass man gerade so einen halben Quadratmeter zum Sitzen – an Liegen ist hier nicht zu denken – findet, über Fahrschul-Porsches und vermisse später die Möglichkeit, in Leipzig auf dem Markt in einer von fünfzehn Metzgereien eine Leberkässemmel kaufen zu können.

Das Lied des Monats:

 

Was für ein Geburtstagswunsch. Ich werde künftig jedem das zum Geburtstag wünschen. Das Lied des Aprils ist das Lied meines Geburtstagsmonats:

Als ich das Lied das erste Mal gehört habe, dachte ich: Geil, endlich mal ein schönes Lied, zu dem man später Walzer bei der Hochzeit tanzen kann. Jetzt, wo ich das Video gesehen habe, könnte man auch denken: Geil, warum nicht eigentlich mit Dan Mangan tanzen oder ihn heiraten – gäbe es nicht schon den viel besserereren Tänzer und Menschen zum heiraten. Vielleicht könnt ihr anderen dann aber auf dem Fest die Choreografie der umstehenden Figuren aufführen. Erscheint mir jetzt nicht so komplex. Ihr dürft aber auch einfach nur zuhören und das Lied gut finden. Jetzt zum Beispiel, und kurz den Regen da draußen ausblenden.

 

Kleine Verschnaufpause: Der März war der Monat der Konzerte. Dieses Jahr noch mal richtig einen auf jugendlich machen und auf viele Konzerte gehen, dachte ich mir, nächstes Jahr wird das nicht mehr so einfach gehen. Daher zwei Schmankerl aus meinem März zum weihnachtlichen Einschunkeln:

 

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