Badesalz. Warum denn nicht. Kann man doch mal drüber bloggen, vor allem, wenn doch hier sonst nichts passiert. Badesalz, also. Ich würde den Erfinder dessen gern mal fragen, was das bitte soll.

Sonntage sind Badetage, Sonntage mit Magen-Darm-Turbo-Infekt umso mehr. Ich also die Tüte aufgemacht, die ich zum Geburtstag  bekam, die versprach ein Badeerlebnis allererster Güte. Nun kann man dem Schenker keine Vorwürfe machen, ich wusste ja bis zum Abtrocknen an diesem Sonntag auch noch nicht, dass ich Badesalz nicht mag. Aber dieses Badesalz hat komisch gerochen, es hat keinen Schaum gemacht (ist wohl so bei Badesalz, was?) und dass das für die Haut was Gutes bedeutet, möchte ich dem Mittel auch mal absprechen. Eine Mogelpackung, würden wir in der Redaktion sagen. Alle notwendigen Badezusatzeigenschaften werden da doch unerfüllt zurück gelassen. Da lobe ich mir doch die anderen badewannenassoziierten Geburtstagsgeschenke, die ich hiermit empfehlen möchte: Es sind LED-Lichter, die im Badewasser funkeln und ihre Farbe ändern. Klingt sinnlos, ist aber großartig. Dazu eine Badebombe von Lush, die all das hat, was Badesalz nicht hat: Sie riecht gut, sie macht ordentlich Schaumrabatz und sie lässt die Haut ganz weich werden. Super. Merkt euch das für den nächsten Geburtstag, Freunde.

Jul 072011
 

Für diese Reise hier habe ich das erste Mal meinen Presseausweis benutzt. Bei AirBerlin und Hertz gab’s damit Rabatte. Heute habe ich dann gedacht: Eigentlich muss ich dafür gar kein schlechtes Gewissen haben, immerhin ist das Blogtagebuch hier doch auch so etwas wie journalistische Arbeit.

Wobei: Viele von euch haben mir geschrieben und gesagt, dass sie erstaunt sind, dass ich so viel und so oft blogge. Mir kommt das aber tatsächlich nicht wie Arbeit vor. Die Erfahrungen liegen hier massenweise rum, ich muss sie nur aufsammeln und eintippen und das geht, da danke ich nachträglich auch meiner Volkshochschule-Schreibmaschinenkurs-Lehrerin, schneller als mit dem Kuli.

Eure Kommentare und E-Mails haben uns sehr erfreut bei der Reise. Klar schreibe ich das alles auch auf, damit wir uns besser erinnern können, aber es ist schön zu merken, dass noch mehr Leute Spaß dran haben, es zu lesen. Und es ist schön zu wissen, wie es euch im alten Deutschland geht. Danke also.

 

Liebe alle, die ihr auf Postkarten aus Neuengland gehofft habt,

gerade wollten wir euch Fotopostkarten von uns vor dem Flatironbuilding / dem Meer / dem Manhattan übers Internet schicken, aber Paypal und Clickandbuy wollen nicht mitspielen. Wir dachten bislang ja immer, dass das Ziel dieser Micropaymentdinger sein sollte, Zahlungen zu vereinfachen. Tja. Ist man aber in den USA, braucht man auch für diese beiden Angebote die TANs der Bank. Wie sinnvoll…

Wir haben daher beschlossen: Alle, die eine Karte kriegen sollten, bekommen ein Foto von uns zugeschickt, wenn wir zurück sind und dazu eine handgeschriebene Urlaubserinnerung. Das ist sogar noch besser als die Internetsache: Größere Auswahl an Geschichten für uns, mehr Handschrift für euch. Und, das muss man auch zugeben, mehr Freizeit für uns im Urlaub :) Den Blog habt ihr ja trotzdem noch nebenbei zum Miterleben.

 

Liebe gleich neidvolle Blogleser, in der Sekunde, in der ihr nächste Woche vermutlich die Büros dieser Welt zurecht verfluchen und euch weit weg wünschen werdet, habe ich gerade zum ersten Mal in meinem Leben den Boden eines anderen Kontinents betreten und schlendere lässig (das nehme ich mir zumindest vor), sehr lässig also über die Brooklyn Bridge. Vor dieses irdische Glück haben Gott und die US-Regierung nur noch einen Officer gesetzt, der mir theoretisch, wenn ihm meine Antworten auf seine Fragen oder auch mein Kleidungsstil nicht gefallen, die Einreise verweigern kann.

Ansonsten warten auf mich und den geschätzten Freund fünf Tage New York, eine Menge Zeit für Cape Cod, Boston, irgendwas drumrum, Walegucken, Karobesuchen in Hanover / New Hampshire und nicht Niedersachsen und zum Schluss noch mal zwei Tage New York.

Oh, wie gut das klingt. Und oh, wie aufgeregt ich bin… Ich kann mich noch nicht entscheiden, welchen der fünf Reiseführer ich hierlassen werde und ich überlege noch, ob ich wirklich nur mit einer Jeans hinreisen soll, um mit fünftausend zurückzukehren. Wenn es das kostenlose W-LAN, meine Zeit und die liebe Muße so wollen, werde ich euch hier auf dem Laufenden halten.

Übrigens nehme ich immer noch bis zu drei “Geheimtipps” pro Person entgegen. Bisher auf der “Geheimtipp”-Liste für New York:

  • rauf aufs Metropolitan Museum oder das Rockefeller Center und nicht aufs Empire State Building
  • kostenlose Konzerte im Central Park genießen bei der Summer Stage
  • mit der Fähre zu Staten Island fahren und Fotos machen und die Freiheitselse eine gute Frau sein lassen, ohne sie zu besteigen (wie obszön)
  • chinesisch Essen in Chinatown
  • den Highlinepark angucken
  • dreihundertneunzig In-Viertel besuchen, deren Namen ich vergessen habe, aber die mittels Kulikreuz auf dem Stadtplan bereits markiert sind

Yay. Das wird großartig.

 

Ich habe heute den Balkon bezimtet. Zimt soll wohl den Orientierungssinn von Ameisen stören und dann hauen sie ab. Ich habe die Küche in ein Zuckerhaus verwandelt, weil ich Holunderblüten zu Sirup und Gelee versponnen habe. Ich habe gestern freiwillig 56 Kilometer auf dem Rad gesessen und bin durch die Sonne gefahren.

Ich beginne so langsam zu begreifen, was man als Kind für unheimlich spießig oder zumindest elternmäßig abgetan hat: Das Ganze Draußensein und Haushaltsdingemachen ist ein perfektes Ablenkungsmanöver von der bösartigen Arbeitswelt. Selbst Bloggen ist so sehr arbeitsähnlich (der Computerbildschirm, das Zehnfingertippen, das Lüfterrauschen, das Drinnesein), dass ich mich gerade regelrecht davor drücke. Fürchterlich ist das eigentlich, ich bin ja noch kein Jahr im Club der Vollzeitarbeiter.

Der Rentenversicherungsvertreter hat gesagt, noch 41 Jahre. Ich muss vorher unbedingt reich werden, mit Holundergelee kochen oder Geocachen oder sonstigen Rumstromerdingen. Auch Lottogewinne oder anonyme Schenkungen kämen mir ganz recht. Eventuelle Jobangebote möchte ich dagegen bereits jetzt kategorisch ablehnen (zumindest einstweilen), weil, auch wenn ich noch viel lieber durchgängig frei bei gleichbleibendem Kontostand hätte: Eigentlich ist es ganz gut so, wie es ist. Ich habe nämlich heute das journalistische Premiumprodukt “mieten, kaufen, wohnen” gesehen. Da hat sich ein fürchterlich reicher Mensch für eine fürchterlich teure Immobilie am Strand von Miami interessiert und gleichzeitig bemerkt, dass er wohl die meiste Zeit im Schlafzimmer verbringen wird, weil er sowieso die ganze Zeit businesskaspermäßig auf der ganzen Welt unterwegs ist und nur kurz zum Übernachten heim kommt.

Das heißt also: Je reicher man ist, umso weniger Zeit bleibt, den Reichtum zu genießen, so meine kühne Theorie. Reichtum und Zeit verhalten sich quasi diametral entgegengesetzt (heißt das so, Mathematiker der Welt?), malt man sie in ein Koordinatensystem. Ich glaube derzeit, dass ich mich so ziemlich am Kreuzungspunkt befinde, immerhin habe ich genug Zeit, meinen mittelteuren Balkon standesgemäß zu bepflanzen und mich an den Blüten zu erfreuen. Ganz eigentlich ist der Job auch nach wie vor alternativlos und gut. Also: Weitermachen. Und auf die Rente freuen.

 

Ich hab das jetzt mal zehn Tage unverbindlich ausprobiert: Man kann durchaus 26 sein. Das ist in Ordnung. Nachdem direkt in der Nacht nach meinem Geburtstag mein linker Arm heftig zu schmerzen begann und es mir wie ein untrügliches Zeichen spontanen Alterns erschien, scheint ja jetzt die Sonne und das Leben fühlt sich unverändert an. Da bin ich aber beruhigt.

 

Kalt ist es wieder, Freunde! Selbst ohne Sensoren an der Haut würde ich das merken, wenn ich auf den Balkon gucke: Im Vogelhäuschen ist reges Begängnis. Die Meisen jagen sich gegenseitig weg und die fette Amsel hat kein Problem damit, sich für ihren Frühstückssnack eine halbe Stunde bei Hansens einzuquartieren. Alle zwei Tage lege ich Futter nach – die zittrigen Vögelchen können es gebrauchen, scheinbar.

Und weil ich so eine gute Vogelmutti bin, bin ich in diesem Jahr zum ersten Mal in den Genuss der Vogelhochzeit gekommen. Keine Paarungsrituale, werte Jugendschützer, sondern Zuckerbomben vom Feinsten. Die Vogelhochzeit ist ein alter Brauch aus der Lausitz und die liebsten Lausitzer Hasen Anja und Sven haben ihn mir mit nach Leipzig gebracht, um sich stellvertretend für die Vöglein bei mir für die Winterfütterung zu bedanken. In der Lausitz stellen die Kinder vor dem 25. Januar einen Teller raus. Am nächsten Tag ist der gefüllt mit geilstem Süßkram:

Wie das Zeug da drauf kommt, erschließt sich ja wohl von selbst: Die Vögel bringen das vorbei. Dabei gilt es trefflich zu unterscheiden.

1) Kremnest, das

Symbolisiert ein Nest, wie unschwer zu erkennen ist und steht für das Zuhause, das die lieben Vöglein aufgrund der reichlichen Winterfütterung bauen können. Butter, Zucker und Schokolade werden in großen Mengen zu einem unvergleichleichen Kaloriengemenge arrangiert, das selbst gesunde Menschen nach einer Insulinspritze schreien lässt und mit Zuckereiern zum konditorischen Kunstwerk veredelt wird.

2) Schmätzel, die

Hier handelt es sich um Baiserstatuen. An dieser Stelle ein kurzer Exkurs in das Lehrwerk Découvertes und die Episode, in der der deutsche Austauschschüler in der Boulangerie nach einem Baiser fragt und errötete Blicke erntet, weil Baiser auf französisch Kuss bedeutet und das Zuckerprodukt meringue heißt. Hach, war das lustig. Zurück in die Lausitz, wo die meringues, also die Baisers Schmätzel heißen: Zucker, Eier und ein wenig Farbstoff werden hier geformt zu einem stilisierten Nest (links) und einem Robbenbaby Vogel (rechts).

Die ganze Fülle des Lausitzer Konditoreiangebotes zu diesem Anlass kann wohl nur ein Kind aufessen, denn ihm ist der irgendwann einsetzende Zuckerschock noch nicht antrainiert. Ich habe die ganzen Köstlichkeiten nur unter Mithilfe von Freunden aufessen können. Schade aber eigentlich um die schönen Schmätzel:

Zur Ablenkung singen wir jetzt lieber alle mal mit, wenn Helge Schneider die Vogelhochzeit anstimmt:

Übrigens habe ich jetzt nicht nur die Vögel draußen zu füttern. Hier drinnen auf der Couch hat sich was Dickes eingenistet:

Sie heißt Eule und schläft viel.

 

Ich war eine Woche weg: Hochwasser abwehren für die Arbeit, dann krank im Urlaub, dann Skifahren im Urlaub, dann Cachen im Urlaub. Da fällt mir ein: Die Geocachingbox ist noch leer. Huch. Naja, neues Jahr, neues Blogerlebnis. Bald.

Jedenfalls war letzte Woche für mich Einzelkind sowas wie Geschwisterkindwoche. Ich war ja nie im Ferienlager, also mache ich alle geschwisterkindoiden Erfahrungen erst jetzt, wo ich theoretisch selbst Geschwisterkinder produzieren könnte. Ich war mit neun anderen in einem Ferienhaus und ich habe wieder ein bisschen was darüber gelernt, was es heißt, kein Einzelkind zu sein. Offenbar muss man als Geschwisterkind schnell essen, damit man satt wird. Man kann sich auch gern über die (Kinder-)Zimmermitschläfer aufregen – wobei die Gründe über die Jahre sicher differieren: Waren es damals die weggenommenen Spielzeuge / die kaputten Spielzeuge / die hübscheren Mädels zu Besuch, sind es heute die schnarchenden Bettennachbarn oder die fehlenden Ohropax. Auf jeden Fall will man die ganze Zeit etwas spielen oder den anderen Kindern die neuesten technischen Finessen zeigen. Meine neue Theorie lautet übrigens: Da ich als Einzelkind nur selten die Gelegenheit hatte, Brettspiele zu spielen (nachmittags waren wir immer draußen und drinnen hatten die Eltern nie Lust auf Spiele), gehöre ich zu den wenigen, die Monopoly ernsthaft gut finden, denn wenn ich schon mal spielen kann, dann darf es doch gern auch gleich siebeneinhalb Stunden dauern.

Jetzt bin ich wieder da und habe gerade einen vorzeigbaren Einzelkindabend: Ich hänge allein auf der Couch, schaue in aller Ruhe eine Tierdoku, rede dabei mit mir selber (“Krill! Das ist auf jeden Fall Krill” (Der Sprecher sagt: “Krill”) “Yes!!!”) und ich esse so langsam ich will so viel ich will. Eine komische Ausprägung meines Einzelkindwesens ist jedoch, dass ich es hassehassehasse, allein zu essen. Entweder muss also parallel der Fernseher laufen (denn der Krill ist eine super Gesellschaft und wenn der Wal kommt essen wir dann zusammen und sagen dem Krill tschüssi) oder die Familie muss dabei sein. Deshalb freue ich mich an Einzelkindabenden umso mehr, wenn das Türschloss knackt und der Freund heim kommt. Einzelkind sein ist auf Dauer doch sehr öde.

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