Ähm, klopf-klopf, ist da überhaupt noch jemand? Nach der langen Auszeit könnte ich gut verstehen, wenn sich hier nie wieder jemand her verirrt. Aber für die drei chinesischen Spammer, die vielleicht auch mal lesen, bevor sie Viagra-Kommentare absenden, ein kurzer Abriss:

Was bisher geschah: Und siehe, ein Kind ward geboren.

Die ganze Zeit, in der ich nicht bloggte, ging ich auch nicht arbeiten, denn erst legte ich meine joggingbehosten Beine auf die Couch und kam nach anderthalb Monaten TV-technisch echt an meine Grenzen. Tagsüber war das ganz schön öde alles, was dazu führte, dass ich ungelogen zweieinhalb Mal die Doku “Mensch, Gottfried” in der ZDF Mediathek angeschaut habe – was ich nachdrücklich jedem mit einem Herz für Freaks ans Herz für Freaks legen möchte. Und seit quasi einem Jahr gibt es einen kleinen Menschen, der mich vom bloggen abgehalten hat. Nicht mal unbedingt zeitmäßig, eher auch so mental. Es ist ganz großartig, ein Jahr lang über nicht viel mehr nachzudenken als so Kinderquatsch. Ich habe wenig Ahnung von der aktuellen weltpolitischen Lage oder der wirtschaftlichen Entwicklung Europas, aber fragt mich nach Windelangeboten, fragt mich nach sinnlosen Babyutensilien, fragt mich nach Spielplatztipps in Leipzig, ich bin ganz vorne mit dabei! Aber, und das muss man mir jetzt auch mal zu Gute halten, ich dachte, es ist für euch vielleicht nicht so wahnsinnig spannend, hier den Hardcore-Mutti-Content zu posten.

Okay, ich gebe zu, es gäbe tatsächlich Fragen, die ausdiskutiert werden könnten. Zum Beispiel: Warum werden auf die Windelverschlüsse immer irgendwelche pseudo-niedlichen Tierchen gedruckt, wo sie doch der Windelträger sowieso nie zu Gesicht bekommt (normalerweise, sagen wir mal), jedoch immer der Windelanleger und wieso werden dann nicht einfach, weiß nicht, Skylines von Städten abgedruckt, in die man nun mindestens ein paar Monate eh nicht reisen kann, oder Kunstwerke, für die man sonst keine Zeit hat, sich zu interessieren? Oder auch: Was zum Teufel läuft gerade schief, dass ich dieses Entspannungsbad mit dieser tollen Entspannungsbadekugel nicht genießen kann, sondern beharrlich darüber nachdenke, ob die Teile, die oben schwimmen, tatsächlich und hoffentlich die vertrockneten Rosenblüten aus der Badekugel sind oder etwa Auswürfe aus irgendeiner Körperöffnung des Kinds?

Auch erwähnenswert: Diese Kindersache macht viel mehr mit einem, als man sich vorher vorstellen kann. Ich habe mir exakt zwei Dinge geschworen, als ich schwanger war. 1. Ich kaufe keine Ratgeber-Bücher. 2. Das Kind schläft nicht jede Nacht in unserem Bett. Oh, ratet, wer mittlerweile einen ganzen Bücherregalabschnitt mit Ratgebern zu diversen Subthemen des Kleinkindmetiers füllen kann, und ratet, wer jede Nacht ab einer randomisierten Uhrzeit in unserem Bett schläft. Und das irre ist: Ich finde beides mittlerweile total gut und sinnvoll. Deshalb mein wirklich ernst gemeinter Rat an Menschen, die noch kein Kind haben, aber in absehbarer Zeit eins haben wollen: Nehmt euch einfach überhaupt nichts vor, was die Zeit mit dem Kindchen betrifft, denn es wird alles ganz ganz anders. Wie lächerlich fand ich es, wenn Menschen erzählten, was zum ersten Geburtstag ihres Kindes passieren wird und wie viele Kinder da auflaufen werden – das Kind kriegt doch eh nix davon mit, habe ich gedacht. Am Freitag werden hier vier bis fünf andere kleine Menschen ankrabbeln und die Kids werden extrem viel Spaß dabei haben, sich die Spielzeuge gegenseitig anzulutschen und sich grobmotorisch die kleinen Köpfe zu beklopfen, während wir Eltern Sekt trinken werden.

Was nun also hier geschehen wird

Tja, eigentlich ist es wirklich an der Zeit, erstmal ordentlich zu renovieren, neue Tapete und so, aber sind wir ehrlich, sowas dauert doch eh immer. Aber vielleicht gibt es zumindest öfter mal wieder ein Einträgchen, mit Sicherheit auch mit Kindercontent, aber Freunde, so ist das nun eben. Verticale ist eine Mutti. Aber sie findet es gut.

 

Es war klar, dass wir wegfliegen wollten und dass es nicht so teuer werden sollte. Nach gefühlten fünf Stunden Internetsuche waren Barcelona, Wien, Rom, Istanbul und ich weiß nicht was noch alles ausgeschlossen und Amsterdam gebucht. Amsterdam im September, das würde hervorragend werden und das wurde es auch. Deshalb heute zwei Tipps für eine schöne Zeit in Amsterdam:

Essen: Mantoe

Viel Zeit verbringen und viel Geld ausgeben kann man im Stadtviertel Jordaan, das ist wirklich schön und gemütlich da. Wir sind dem Hinweis einer Ladenbesitzerin dort gefolgt und waren bei Mantoe essen. Das ist afghanisch, das ist für uns ziemlich ungewöhnlich, aber enorm lecker. Es gibt keine Speisekarte, sondern nur ein Menü des Tages und man kann sagen, was man nicht isst. Das wird dann berücksichtigt. Aber wirklich, es war extremst lecker und empfehlenswert. Auch gut sein soll Cinema Paradiso. Das war aber immer voll, wenn wir hin wollten. Wurde uns aber von Einheimischen als bester Italiener der Stadt angepriesen.

Angucken: Hofjes

Hofjes suchen ist ein bisschen wie Geocaching – man liest im Reiseführer von den kleinen, ruhigen Hinterhöfen, man hat sogar die genaue Adresse, aber trotzdem ist es ein großes Erfolgserlebnis, wenn man den Eingang gefunden hat. Sehr niedlich und ruhig.

Shoppen: Noppies

Okay, Randgruppenshoppingtipp, aber: Noppies macht schöne, passende Schwangerschaftsmode für bezahlbare Preise. Der Weg zu dem Laden etwas außerhalb des Zentrums ist nicht der direkteste, aber man kann das schon mal machen. Die Besitzerin ist nett und gibt extra Tipps für die nächste Shoppingstation.

Das Lied zu Amsterdam ist keine Hymne auf die Stadt, sondern auf die bezaubernde Miss Blue. Without her I’m dying.

 

Ich lag auf dem Sofa und es lief Olympia. Fragt mich nach Degenfechten, ich würde sagen: Im August 2012 kannte ich die Regeln ganz genau. Das liegt daran, dass ich sehr lange auf dem Sofa lag und Olympia anschaute, wenn ich nicht gerade einen Zwieback aß, eine halbe Tasse Magen-Darm-Tee trank oder beides gesammelt ins Badezimmer trug. Was für ein Start in einen Monat, aber was für eine Gelegenheit, Olympia zu verfolgen und die Freundin zu beneiden, die dem ganzen Wahnsinn vor Ort arbeitend beiwohnte. Life with grace, Freunde.

So sommerlich fühlte sich der August im Kopf an, dass ich mich leichtsinnig breitschlagen ließ, dieser Campingsache eine fünfte Chance zu geben. Gut, die letzten vier Male war Zelten schon scheiße gewesen, aber trotzdem und aus großer Liebe zum Freund: noch einmal, Ostsee mit vollbepacktem Kleinwagen und geliehenem Zelt und Gaskartuschenkocher und sogar neuer Isomatte, die der Freund mir kaufte. Es waren heimelige 15 Grad auf diesem überfüllten Sachsen-Zeltplatz auf Usedom, der Wind war eiskalt, am Strand hielt man es mit drei Decken in der Strandmuschel dann doch erstaunlich lange aus und die Fertigsuppe wurde mit ungetoastetem Toastbrot fast zur Schmackadelle. In der ersten Nacht fror ich so, dass ich am nächsten Tag bei Kik noch eine Decke kaufte und in der zweiten Nacht hatte ich dann auch verstanden, dass das Brumm-Geräusch durch gezielte Seitenhiebe in des Freundes Schlafsack nicht wegging, weil es aus einem Schlafsack drei Zelte weiter stammte. Hat auch der Freund eingesehen, dass das nun doch nicht mehr meine große Liebe wird, das Zelten, und am zweiten Morgen gesagt: Ach komm, wir fahren heim. Yeah. Ein Hoch auf die heimische Badewanne, ein Hoch auf die Ikea-Matratze im Bett, ein Hoch auch auf den Cospudener See, an dessen Strand es ruhig und gemütlich und warm und sonnig war. Na ja, hätte auch klappen können mit dem Zelten.

 

Ein Bekannter, der in Stockholm an der Uni arbeitet, hat vor ungefähr sechs Wochen ein Bild gepostet, auf dem es in Stockholm mittags ziemlich dunkel ist und Schnee liegt. Weiß ich auch nicht, ob ich da drauf Lust hätte. Für mich ist Stockholm so: Sommerlich-mild, gutgelaunt und in Midsommar-Stimmung. Wir waren dort zur Sommersonnenwende, wir haben zusammen mit Stockholmer Jugendlichen auf Felsen über der Stadt extrem teures Bier getrunken und gewettet, wann und wo über der Stadt die Sonne untergeht. Es war 22:07 Uhr zwischen zwei Kränen. Nachts halb vier habe ich gedacht, ich muss aufstehen, weil ich längst verschlafen habe, so hell war es da. Oh, da passt das Juni-Lied perfekt dazu:

Wenn ihr im Sommer mal in Stockholm seid, dann müsst ihr mit dem Schiff, das sich fast anfühlt wie S-Bahn, nach Grinda fahren. Das ist eine kleine Schäreninsel, so klein, dass man in einer halben Stunde von der einen Seite auf die andere schlendern kann. Es gibt ein Restaurant, in dem gibt es genau ein Essen und das ist vermutlich immer mit Fisch. Es gibt eiskaltes Wasser, in das man trotzdem rein muss, und es gibt rote Astrid-Lindgren-Häuser.

 

“Ein Aktivismus auf einmal!”, sagt der Freund, der gerade die letzten Blogeinträge liest und, wie vermutlich alle, die gewohnheitsgemäß alle zwei Monate auf diesen Blog steuern und ausgelesene alte Dinge erwarten und dann doch überrascht sind, dass hier noch Leben ist. Ha! Nehmt dies, ihr Feiertagsblogleser.

Wir sind im Mai, es ist Frühling, es ist schon fast Sommer eigentlich und es ist München. Wir sind vorübergehend bei einem Freund quasi eingezogen, es fühlt sich jedenfalls nach WG an und auf seinem Balkon erdulde ich, dass der Gasgrill angeworfen wird. Das ist nur möglich, weil keine Thüringer Bratwürste draufliegen (merke: die gehören ausschließlich auf einen Holzkohlegrill). Gestern war Biergarten, heute ist Finale dahoam. Die gesamte Stadt ist FC-bayernisiert und natürlich hoffen wir auch, dass die Bayern gewinnen, einfach, weil wir danach die Feiersache mitnehmen wollen. Nach dem Spiel gibt’s aber keine Feiersache mehr, es gibt traurige Teenagerjungs in der U-Bahn, die in die Haare ihrer Freundinnen weinen. Ich wundere mich in diesen Tagen über den Englischen Garten, der so überfüllt ist, dass man gerade so einen halben Quadratmeter zum Sitzen – an Liegen ist hier nicht zu denken – findet, über Fahrschul-Porsches und vermisse später die Möglichkeit, in Leipzig auf dem Markt in einer von fünfzehn Metzgereien eine Leberkässemmel kaufen zu können.

Das Lied des Monats:

 

Kleine Verschnaufpause: Der März war der Monat der Konzerte. Dieses Jahr noch mal richtig einen auf jugendlich machen und auf viele Konzerte gehen, dachte ich mir, nächstes Jahr wird das nicht mehr so einfach gehen. Daher zwei Schmankerl aus meinem März zum weihnachtlichen Einschunkeln:

 

 

Es war kalt im Februar, kalt am Rhein und kalt bei den Raketen. Das passte zur Stimmung ein bisschen. Am Rhein habe ich Tschüss gesagt zu dem Herz, das fortan als Reisesiolita von sich reden und lesen machen sollte. Unglaublich, jetzt ist sie fast ein Jahr weg und wir haben gelernt, dass es für unsere Fern-Beziehung kaum Unterschiede macht, ob sie in Düsseldorf, Peru oder Bali rumhängt. Danke, Internet. Danke, Herz. Ich bleibe hier als ausharrender Pol in Leipzig und warte auf dich. Und dann gab es im Februar eben noch die Raketen. Das war arbeitstechnisch mein Thema und ich war in Dresden bei einem Raketenfreak und an der Ostsee und überall war es kalt. Das traurigste an den Raketen war nicht nur, dass ich die Ostsee gar nicht richtig gesehen habe, als ich dort war, sondern auch, dass ich mein Versprechen, aus der Sendung eine Mädchensendung zu machen (Raketen als Modeschmuck, Raketen selber häkeln, Raketen tanzen), nicht halten konnte.

Sei’s drum, der Februar hat meinen Jahreslieblingsliedern ein Spitzenlied beschert, das auch ein bisschen unterkühlt ist und deshalb superst zum Monat passt und als Entschädigung Bilder vom Meer enthält:

 

So lange die dicke Frau noch singt ist die Oper nicht zu Ende und so lange ich zehnmal im Jahr hier etwas poste ist der Blog noch nicht tot. Das ist jetzt beschlossene Sache. Ich will mich aber befleißigen und dieses Jahr blogseitig aktiver ausklingen lassen als es bislang hingedümpelt ist. Zwölf Tage hat das Jahr noch, da passen noch zwölf Einträge rein und da das Jahr zufällig zwölf Monate hat, will ich jeden Eintrag einem Monat widmen. Irre Idee mit irrem System: Es geht mit Januar los.

Januare beginnen meist mit allen Folgen von Planet Erde im Fernsehen, die ich schlafend und ausnüchternd und kopfschmerzend am Sofa vorbeilaufen lasse. Großartig dabei: Man schläft mit Elefanten ein und wacht in der Antarktis auf. Schöner kann kein Katertraum verlaufen. Dieses Jahr war das aber nicht so und ich weiß, woran das lag. Meine Freundin Siola war nicht da und also auch nicht die bunten Schnäpse, die ihre Mutter ihr im Jahr davor angedreht hatte. Und das Battle der Billig-Champagnare von Lidl und Aldi haben eindeutig beide verloren, was darin endete, dass wir die Flaschen ganz lässig und so versnobt, wie man eben wirken kann mit Discounter-Schampus in der Hand, durch die Straßen mitführten, um sie dann an einer Ecke stehen zu lassen. Schade um die zweimal 11,99 Euro (merke: dieses Jahr 13,99 Euro. That’s Inflation right there!). Auch anders waren in diesem Januar folgende Dinge: ich musste keine Hühnersuppe kochen, weil kein Haushaltsmitglied so krank war, dass nur Hühnersuppe hätte helfen können, in Leipzig lag ein bisschen Schnee und in den Alpen lag soviel Schnee, dass es selbst die Menschen dort überraschte. Mein Kleinwagen bekam also das letzte Mal in seinem schönen Autoleben Schneeketten angezogen und meine Erinnerung ein Bild von einem Winter eingebrannt, das 70-Jährige irgendwo in der Kindheit suchen müssen. Und mitten in dieser Schneemassenromantik, zwischen Kräuterschnapsflaschen und Bolognese-Resten habe ich das erste Mal dieses Video gesehen, das entweder alle schon kannten oder auf jeden Fall zwei Tage später ungefähr fünfmal gesehen haben müssen, so viele Hits wie der Clip bei YouTube hat:

Und alle so: Krass, der Typ mit den Haaren, was der für eine Stimme hat!

Tschüss, bis Februar.

© 2011 verticale Suffusion theme by Sayontan Sinha