Ich will nicht mit dem leidigen Thema Klimawandel anfangen und es ist mir durchaus bewusst, dass ein Winter noch kein Global Warming stoppt. Aber diese Bilder lassen einen doch zweifeln, dass es jemals eine Zeit ohne Schnee geben wird:
Wir sind in Österreich und nein, wir müssen nicht gerettet werden. Einige Pisten sind wegen Lawinengefahr geschlossen, aber der Ort, so sagte der Liftarbeiter, ist nicht gefährdet. Mein persönliches Highlight bisher: Ein schmerbäuchiger Mann im Midlifecrisis-Alter in einer Bar, die sich gerade in eine Après Ski Hölle (hier: “apre´s ski”) verwandelte. Er singt mit bei “Girl, I wanna make you sweat, sweat till you can’t sweat no more, alalalalalong” und wippt dabei bedeutungsschwanger sein Weißbierglas. Die Singlefrau nebenan guckt angestrengt weg. Wir gehen schnell wieder und schwitzen wirklich, in der Hüttensauna. Ein Hoch auf den Winterurlaub.
Liebe alle,
danke für eure Geduld und danke für eure Fragen, was denn mit dem Blog sei und warum ich nicht mehr schreibe. Nun, warum schrieb ich eigentlich nicht? Es mangelte an Zeit, an Muße, an Themen.
Ich wollte so gerne über ein einschneidendes Erlebnis bloggen. Im Oktober war ich in Bitterfeld und es war schlimmer als gedacht. Aber ich hatte an dem Tag keine Zeit und später verklärte ebenjene die Sicht auf die Dinge. Ich glaube aber, jetzt ist die Geschichte so gut durchgezogen, dass sie, mit all dem Seemannsgarn, der sich drüber gelegt hat, demnächst hier zu lesen sein wird.
In der Zwischenzeit haben wir hier ein bisschen gemalert. Ihr seht schon – eines ist noch nicht in dem Topf, wo es kochen soll und ich muss noch ein paar Fotos verschieben. Trotzdem geht’s jetzt hier endlich weiter – willkommen zurück.
Alles, was ich über Wein weiß, weiß ich von meinem Vater. Ich weiß also, was DOC auf den italienischen Flaschen bedeutet und warum DOCG noch besser ist. Ich weiß, was der Unterschied zwischen Trockenbeerenauslese und Eiswein ist. Und vor allem weiß ich, dass die Trauben, die mein Papa anbaut, die besten sind. Sie sind klein und rund, haben eine feste Schale und große Kerne drin, aber das Fleisch, das ist so wunderbar süß und aromatisch, dass man es durch die harte Schale durchriecht, wenn die Trauben körbeweise im Hausflur stehen. Seit diesen Trauben weiß ich auch, dass die Trauben im Aldi und im Hit-Markt nur billiger Abklatsch sind. Die sind eher so Liebfrauenmilch, die Papatrauben sind dagegen eher so Müller-Thurgau Auslese.
Das allerbeste an diesen Trauben jedoch ist: Sie sind ein Indikator für komische Leute. Bislang habe ich zwei Menschen getroffen, die die Trauben gekostet haben und sie eklig fanden: Die sind ja schon vergoren!, haben diese Unwissenden gesagt. Vergoren! Pah. Das sind Muskat-Trauben, hab ich dann gesagt. Und die so: Nein, die schmecken nicht. Das hat mich jedesmal sehr hart getroffen, weil es fast an Majestätsbeleidigung grenzt. Da kriegt die dicke Schale der Familienstolztrauben einen kleinen Sprung. Aber, das habe ich nun gemerkt, das macht nichts. Komische Menschen sind das, die das sagten. Das wusste ich schon immer und die Trauben haben es bewiesen. Vergesst “Die Geschmäcker sind verschieden”. “Im Wein liegt die Wahrheit”. So sieht es aus. Tsss.
…und wenn sie nicht geocachen oder arbeiten oder Sonne genießen oder Quatschmachen ist, dann bloggt sie auch wieder. Schwöre. Ich empfehle mich bis dahin und euch zur Abwechslung mal wieder eine LexiTV-Sendung. Morgen, also am Mittwoch, geht’s um Schauspieler und ich habe dafür mit René Marik gedreht und mit Ahmad Mesgarha. Wer schon beim ersten nicht weiß, wer das ist, dem könnte dieses Video auf die Sprünge helfen:
Und der zweite, der ist ein Theaterschauspieler am Staatsschauspiel Dresden, den ich mit dem Kamerateam einen Arbeitstag lang hinter den Kulissen begleitet habe. Das war schön. Und der Beitrag ist auch wirklich schön geworden. Schon jetzt, also als Preview, hier zu sehen. Die Aufführung, bei der wir dabei waren, heißt “Viel Lärm um nichts” und wird auch noch ein paar mal gezeigt. Sehr lustig, es lohnt sich. Übrigens habe ich dabei ein neues Lied kennengelernt, das der Soundtrack des Sommerherbstes zu werden scheint, es hängt jedenfalls schon ein paar Wochen im Ohr.
Mein lieber Kollege P. ist großer Wurst-Fan und auch ich als Thüringer Kind bekenne mich zumindest zu einem gewissen Grad an Bratwurstfaschismus, wenn ich mich zum Beispiel an sächsischen Grills befinde und die daraufliegenden Würste verschmähe. Zu Recht! Jedenfalls… Bin ich heute über Umwege auf eine gar lustige Seite gelangt. Bei wurstblog.de gibt es zum Beispiel diese wichtige Grillverordnung:
Auch finden sich kleidsame Leibchen, wie dieses, welches es scheinbar nur als Männer-Variante gibt:
Viel Spaß beim Wurstseitenstöbern. Ich geh jetzt Abendessen – es gibt frische Mortadella, kein Witz. Für euch zum Appetitholen noch ein Liedchen:
Es ist Gartenpartywochenende. Jedes Jahr gibt mein Schulfreund eine Gartenparty und jedes Jahr kommen alle. Ein Jahr gab es mal Spanferkel, in einem Jahr hat Henne den Grill mit Benzin angezündet (ein Sündenfall im Heimatland der Grillerei), die Schnapssorten wechseln, die Nummer eins in den Grillparty-Singstarcharts bleibt dagegen seit Jahren gleich und, so fürchte ich, wird es für die Ewigkeit sein: “Wünsch dir was” von den Toten Hosen. Es gibt einen Klimmzugkontest, den in der Jungskategorie immer der Gastgeber gewinnt und bei der in der Mädchenkategorie ein Klimmzug ausreicht, um als Siegerin zu gelten. In diesem Jahr war ich das zusammen mit meiner Grundschulfreundin und wir haben mit Ramazotti drauf angestoßen. Das ist alles so zauberhaft Schulzeit-oesk, dass es sich irgendwie echt anfühlt.
Das möchte man dann gern für diesen Abend alles glauben, aber dann beschleicht einen fast gleichzeitig ein subtiles Gefühl, das man früher als Erwachsenenkram abtat, weil es das ja auch ist, aber man ertappt sich, wie man seufzt: “Kinderkinderkinder, wie die Zeit vergeht.” Sämtliche Prüfungs-, Diplomarbeits- oder auch WG-Geschichten sind durch, es geht jetzt in den Gesprächen um Arbeitseinstieg, Gehaltsverhandlungen, Ehepläne, Kindernamen und Nestbauaktivitäten. Es geht auch um Schwiegereltern und Fahrradtouren am Wochenende. Wie anständig und erwachsen man zwischen zwei Gartenpartys doch geworden ist. (Außer Henne: Der zieht die Punksache ernsthaft durch, mit “ACAB”-Tattoo auf dem Unterarm, Arbeitslosigkeit, Alkoholismus und “Platzverweis für Polizisten”-T-Shirt.)
Und wie heimatverbunden. Viele Schulfreunde sind in Thüringen geblieben oder dorthin zurück gekommen. Selbst die Rebellen von früher fragen gern mal nach, ob man denn nicht auch über den Kauf eines Einfamilienhauses, vorzugsweise im Postleitzahlenbereich der Eltern, nachdenke. Oha. Nein, natürlich nicht. Ist ja auch klar: Faktisch gibt es hier nichts zu tun – außer bei der Lokalzeitung oder dem Lokalsender, der “Fernsehen” mit “Werbeschrifttafeln” verwechselt. Faktisch ist auch nichts los. Am Wochenende war außer der Party noch Bierfest, an dessen Attitüde ich mich mit Grauen erinnere. Faktisch hatte meine Mutter doch recht, als sie mir mal in Bezug auf Eltern-Kinder-Sachen sagte: “Über die Ferne liebt es sich leichter.”
Aber dann fährt man am nächsten Tag durch dieses Thüringen, man wandert durch Flusstäler, die so schön sind, dass es schon fast weh tut, man hört nichts, außer Vögelzwitschern und Bachrauschen, man sieht diese Berge, man sieht dieses Grün, man atmet diese Luft. Man steigt nach alldem in sein Auto, der Vater verabschiedet sich in den Garten, die Felder ziehen an der Seitenscheibe vorbei und man glaubt bei jedem einzelnen Erdhaufen, dass er Zuhause bedeutet. Man würde jetzt gern umkehren und mit in den Garten gehen, einen Wein trinken und danach mit den Freunden zur Gartenparty. Man würde gern morgen wieder durch die Täler laufen und an nichts denken. Der Freund sagt: “Frau Hansen, das nennt man Heimat.” Je länger ich weg bin, umso mehr merke ich das. Im Autoradio läuft – und das ist die Wahrheit und keine romantisierte Märchengeschichte – “You are a tourist”:
“And if you feel just like a tourist in the city you were born: Then it’s time to go”
Ich beschließe also, mit der Heimat wie mit einem geliebten Urlaubsort zu verfahren. Man kommt ja wieder. Und wenn man ehrlich ist: Vermutlich würde man nicht noch mal in den Garten gehen und Wein trinken, weil man noch irgendwas machen muss. Vermutlich wären die Freunde mit dem Ausbau des Einfamilienhauses beschäftigt und vermutlich würden einen diese Täler genauso anöden wie das Einkaufspotential Saalfelds. Und man würde sich nach Leipzig sehnen.
“And define your destination: There’s so many different places to call home.”
Leipzig. Man kann ja auch zwei Zuhauses haben. Welch Luxus eigentlich.
Es ist einiges los in Streetarthausen. Die Gallery gedeiht prächtig und begrüßt heute eine Friedenstaube aus Reykjavik, die mir freundlicherweise zugeschickt wurde:
Dank ihr kenne ich jetzt ein einziges Wort auf isländisch, immerhin: dúfa heißt Taube.
Außerdem bin ich neulich über zwei bislang unbekannte Streetart-Techniken gestolpert. Die eine kann so unbekannt nicht mehr sein, wenn sie einen Spiegel-Artikel wert ist. Kurzes Rätsel für euch: Was denkt ihr ist der Untergrund für dieses Bild?
Die Antwort: Ein breit getretener Kaugummi auf den Straßen Londons. Ben Wilson gilt als “chewing gum artist” und macht aus den ollen Klebefleckchen Mini-Kunstwerke. Wenn jemand eine Reise nach London in den nächsten Monaten plant: Ich hätte gern ein Foto-Souvenir.
Auch bin ich gespannt auf das erste gestrickte Streetart in Leipzig, das soll es laut LVZ bereits geben, ich hab davon aber noch nix gesehen, leider. “Urban Knitting” funktioniert so: Irgendwelche alten Gegenstände, Geländer, Fahrradständer oder auch gleich alte Fahrräder werden von fleißigen Händen bunt eingestrickt. Das sieht dann in etwa so aus wie hier in Soho, New York:
Welch sinnvolle und zierende Handarbeit – schöner und aufwändiger als Omas Häkeldeckchen. Und zu guter Letzt noch der Hinweis auf Mega-Streetarts in der brandenburgischen Provinz: Hier werden ganze Häuserwände beklebt. Mit Genehmigung, versteht sich. Ich war noch nie in Luckenwalde und ich weiß nichts von diesem Städtchen, aber diese Himmelmacher machen einen Besuch reizvoller:
Dass man in den USA richtig schlecht essen kann, das habe ich euch ja bereits während der Reise erzählt. Und versprochen, dass ich euch auch noch sagen werde, wo man richtig gut essen kann. Hier kommen ein paar Tipps:
Was? Frisches, selbstgekochtes und weitgehend unfrittiertes Essen jedweder Couleur. Es gibt hervorragendes Fleisch, es gibt Fisch, es gibt abenteuerliche Salate und alles schmeckt unheimlich lecker. Dank Tiny’s weiß ich, dass man auch Erbsenranken essen kann und dass Basilikumsirup in Kombination mit Grapefruitsaft und Sprudelwasser der Killer ist. Die Zutaten stammen größtenteils von Bauernhöfen entlang der Cape-Cod-Halbinsel, einige werden sogar selbst angebaut.
Was? Die Herausforderung in Newport ist zunächst, ein Restaurant zu finden, das keine Touristenfalle und/oder überteuert ist. Das H2O sah zunächst nach beidem aus, hat sich aber als echter Glücksfall herausgestellt: Frische Muscheln und Salat, beides hervorragend zubereitet und zu angenehmen Preisen. Darauf noch ein Cocktail und den Sonnenuntergang auf dem Wasser beobachten. Ja.
Wo? New York, Baby, und zwar in der Lower East Side.
Was? Gutes Brot, gutes Fleisch, das von Männern, die Fleischkompetenz mit jeder Körperfaser ausstrahlen, in hauchdünne Scheiben geschnitten wird, dazu guter Senf und gute Gurken. So simpel wie perfekt, dass man sich fragt, warum es das nirgends hier gibt. Das Lokal erinnert an den Speisesaal eines Schnellimbisses, aber auch das ist sehr liebenswert.
Wo? In Boston, nur wenige hundert Meter vom Boston Common im südvorstadtoiden Stadtteil Back Bay
Was? Ich hatte hier den besten Burger der gesamten Reise. Gutes Hackfleisch, ein Brötchen, das nicht zu pappig ist, knackiges Gemüse und das Beste: selbstgemachte Pommes, an denen sogar noch die Schale dran war. Des Freunds Salatteller war riesig und so bunt, dass man die ganze braunfrittierte Lebensmittel-look-a-like-Arie der vergangenen Tage für einen Abend vergessen konnte. Wie erfrischend.
Was? Cupcakes! Hier soll es die besten der Stadt geben. Und ohne innerhalb New Yorks Vergleiche ziehen zu können möchte ich das uneingeschränkt unterstreichen und dazu setzen: Es könnten die besten der Welt sein. Zum Glück sind sie nicht allzu groß, so dass man getrost ein paar mehr probieren kann. Sehr empfehlenswert sind da auch die selbstgemachten Marshmallows. Der Weg zu dem liebevoll gestylten Laden mit Holztischen und Hirschgeweih-Aura ist derzeit etwas beschwerlich, weil die nächstgelegene U-Bahn-Station gerade gebaut wird. Der Bus, der von der Station 9th Street / 4th Avenue fährt, spuckt einen dann aber direkt vor Baked aus.